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7 Fragen an … Sandra Klemenschits

Ein Artikel von Hans Adrowitzer

Es war ein sehr emotionaler Moment beim Damentennis-Klassiker „Generali Ladies Linz“: Die Salzburgerin Sandra Klemenschits, eine der besten österreichischen Spielerinnen, hat mit 33 Jahren Abschied vom Turniertennis genommen. Für „Sandi“, wie sie allseits genannt wird, ist Tennis nach der schweren Krankheit und dem Tod ihrer Zwillingsschwester Daniela zum Überlebens-Elixier geworden. Im Gespräch mit der DIE FLACHGAUERIN erzählt Sandra aus ihrem Leben: „Was wie ein Traum begann…“

1) Sandra, war Tennis schon im Kindesalter euer ständiger Begleiter?

Ja, schon als kleine Mädchen war Tennis die große Leidenschaft für meine Zwillingsschwester Daniela und mich. In unserem Element befanden wir uns, wenn wir die rote Asche um uns spürten und schon früh war klar, dass diese Umgebung unsere Zukunft nicht nur kurzzeitig prägen würde. Hartes Training gepaart mit Freude am Sport und spannenden Erlebnissen in aller Herren Länder haben uns schließlich über 20 Titel auf der WTA-Tour eingebracht.

2) Und dann hat euch das Schicksal vor eine harte Prüfung gestellt.

Was wie ein Traum begann, hat uns zur schwersten und tragischsten Zeit, die man als Mensch nur erleben kann, geführt. Die heimtückische Krankheit – ein seltenes Krebsleiden im Unterleib – an der wir beide zu leiden hatten, hat Dani trotz zahlreicher Therapien nicht überlebt. Ermöglicht wurden uns die Therapien durch die großartige Spendenaktion, die unsere ehemalige Weltklassespielerin Babsi Schett seitens der WTA und ÖTV-Masseur Kurt Waltl initiiert haben. Den beiden bin ich ewig dankbar.

3) Wie hast du die Rückkehr zum Profitennis geschafft?

Mein Lebensinhalt schien verloren, und sowohl aus persönlicher als auch aus sportlicher Perspektive schien es mir schier unmöglich, ohne Dani auf die Tour zurückzukehren. Der Zufall wollte es jedoch anders, und wie aus dem Nichts tat sich die Gelegenheit auf, mit der Deutschen Marlene Weingärtner gemeinsam ein Comeback auf der WTA-Tour in Bad Gastein zu bestreiten. Von Turnierdirektorin Sandra Reichel haben wir eine Wildcard bekommen, später dann auch für das „Generali Ladies Linz.“

4) Du warst als Doppelpartnerin bei vielen Weltklassespielerinnen sehr begehrt. Mit wie vielen hast du gespielt?

Meine schnelle Rückkehr unter die Top 100 in der Doppel-Weltrangliste hat zu weiteren erfolgreichen Jahren auf der Tour geführt, mit über 50 verschiedenen Doppelpartnerinnen aus aller Herren Länder konnte ich mehr als 20 weitere Titel feiern. Wunderbare Momente habe ich auch in Österreichs Fed-Cup-Team erlebt.

5) Wann ist dein Entschluss gereift, mit Turniertennis aufzuhören?

Wie so oft im Leben gibt es bei so einer Entscheidung ein lachendes und ein weinendes Auge. Eine konstante Verletzung an der Ferse erlaubt es mir nicht mehr, mehrere Turniere in Folge zu spielen. Das schmerzt mich in jeder Hinsicht, jedoch haben mir die vergangenen Jahre vor allem eines gelehrt: Dass nichts so wichtig ist wie die Gesundheit! Kein sportlicher Sieg kann mit dem größten Sieg in meinem Leben mithalten: Dem Sieg über meine Krankheit. Dies vor Augen ist es mir doch nicht ganz so schwer gefallen, die Entscheidung für den Tennis-Ruhestand zu treffen.

6) Hast Du schon Pläne für die Zukunft?

Detaillierte Pläne lasse ich noch etwas in mir reifen. Ich würde mich freuen, nächstes Jahr noch unser Spitzen-Fed-Cup-Team zu unterstützen und hierbei den Aufstieg zu schaffen. Darüber hinaus ist es jedoch auch durch meine abgeschlossene Ausbildung zum staatlich geprüften Tennislehrer gut möglich, dass ich dem Sport in gewisser Weise erhalten bleibe.

7) Wird es deine Charity-Aktion weiterhin geben?

Ja, die schon mehrfach durchgeführte „Together we are stronger“-Charity, die ich auf Danis Wunsch ins Leben gerufen habe, wird fortgeführt und Sportler wie Freunde hoffentlich noch öfter zusammenführen. Der Reinerlös geht an schwerkranke Kinder.

Sandra Klemenschits, geboren am 13. November 1982, bildete mit ihrer Zwillingsschwester Daniela bis 2006 eines der stärksten Damendoppel Österreichs. Beide bestritten 2005 zwei Partien im Fed Cup und gewannen auf ITF-Ebene 23 Turniere. Im August 2005 erreichten sie Platz 95 der WTA-Weltrangliste.

Einen Top-Erfolg feierte Sandra im Juli 2013 mit dem Gewinn des WTA-Turniers „Nürnberger Gastein Ladies“ in Bad Gastein an der Seite von Andreja Klepač. Außerdem gewann sie 2013, ebenfalls mit Klepač, ein ITF-Turnier. In Wimbledon (mit Romina Oprandi) und bei den US Open (mit Andreja Klepač) erreichte sie jeweils Runde zwei, es war ihr bestes Abschneiden bei einem Grand-Slam-Turnier. Insgesamt hat Salzburgs beste Tennisspielerin neun Mal an Grand-Slam-Turnieren teilgenommen (Australian Open 2014, French Open 2011, 2014, Wimbledon 2011, 2012, 2013, 2014, US Open 2009, 2013).

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