Adventmarkt der Nächstenliebe

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Adventmarkt der Nächstenliebe

Um möglichst große Gewinne zu machen, setzen die meisten Adventmärkte auf Kitsch und Kommerz. Im Grödiger Ortsteil St. Leonhard geht man seit Jahrzehnten einen anderen Weg. Dort werden die gesamten Einnahmen des Adventmarktes für einen guten Zweck gespendet.

Der Theologe und Priester Franz Nikolasch hatte die Idee, jährlich vor der Wallfahrtskirche St. Leonhard einen Adventmarkt zu veranstalten. 1973 setzte er diese Idee mit prominenten Unterstützern wie Baron Friedrich Mayr-Melnhof oder der Familie Leube in die Tat um. „Nikolasch wollte von Anfang an einen Gegenpol zu den rein kommerziellen Märkten schaffen. Er hat gemeint, es sei das Beste, mit dem Reinerlös behinderte Menschen direkt vor Ort zu unterstützen“, erzählt Jakob Reitinger vom Tourismusverband Grödig, der den Adventmarkt seit einigen Jahren organisiert.

Die Wahl der Kirchengemeinschaft St. Leonhard fiel auf die damals noch junge Lebenshilfe Salzburg. Nicht weniger als 4,3 Millionen Euro wurden dieser gemeinnützigen Organisation für geistig und mehrfach behinderte Menschen in den letzten 42 Jahren gespendet. „Wir konnten viele Projekte nur deshalb verwirklichen, weil es den Adventmarkt gibt“, erklärt Lebenshilfe-Präsident Michael Russ.

Allein im Vorjahr seien knapp 90.000 Euro gespendet worden. „Für uns wäre es ein Riesenproblem gewesen, diese Summe auf eine andere Art aufzutreiben. Mit dem Geld wurde unser Kindergarten in Salzburg-Aigen saniert“, betont Russ. Der Adventmarkt sei für die Lebenshilfe der mit Abstand größte und wichtigste Sponsor. Mit Hilfe der Spendengelder wurden im gesamten Bundesland 13 Wohnhäuser und fünf Werkstätten errichtet oder behindertengerecht adaptiert.

Michael Russ ist besonders den rund 300 ehrenamtlichen Helfern dankbar, ohne die der Adventmarkt in St. Leonhard nicht denkbar wäre. „Sie wenden jedes Jahr viel Zeit und Energie für Menschen mit Beeinträchtigung auf“, lobt der Präsident der Lebenshilfe Salzburg. Seit der Gründung des Marktes im Jahr 1973 wurden mehr als eine Million unentgeltliche Arbeitsstunden geleistet. „Es gibt viele Leute, die das ganze Jahr stricken, häkeln oder Weihnachtsschmuck basteln. Das ist das Besondere an unserem Markt“, sagt Jakob Reitinger. Bei den Produkten lege man großen Wert auf Regionalität und hochwertige Manufakturware, so der Organisator.

Helmut Millinger

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