Alles neu macht der Mai!

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Alles neu macht der Mai!

Der Frühling ist die Zeit des Jahres, in der Veränderungen angepackt werden. Der obligate Frühjahrsputz lässt die Wohnung in neuem Licht erstrahlen, nach dem Entrümpeln weht wieder frischer Wind. Ganz aktiv entsteht so die eigene Kraftoase.
Ein Artikel von Marion Flach

„Wohnst du noch oder lebst du schon?“ – Dieser Slogan eines bekannten schwedischen Möbelhauses beschreibt sehr treffend und pointiert, wie unterschiedlich Wohnen sein kann. Oft wohnen wir schon jahrelang am selben Ort und haben irgendwann die Lust am Einrichten, Dekorieren und Verschönern verloren. Wir haben uns daran gewöhnt, wie es Uwe Linke, Raumpsychologe und systemischer Paartherapeut aus München, in seinem Buch „Die Psychologie des Wohnens“ ausdrückt. Zusammengewürfelte Möbelstücke, vollgepferchte Kästen und Regale oder leere, lieblos gestrichene Wände sind dann das Resultat. Sich jedoch ganz aktiv mit den eigenen vier Wänden auseinanderzusetzen und sich von der Gewohnheit zu lösen, kann äußerst befreiend sein.

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Foto: Julia Harbrecht /Home Staging deluxe Locations

Die Wohnung als Spiegel

Die Einrichtung verrät viel über uns und kann Rückschlüsse auf die jeweilige Persönlichkeit zulassen. Davon ist Simon Gosling, Sozialpsychologe an der University of Texas, überzeugt. Er geht davon aus, dass sich jeder seine eigene (soziale) Umgebung schafft, um damit auch unbewusst seine Präferenzen, Haltungen und Selbstbilder zu projizieren. Andere können im Umkehrschluss über die Wohnung, das Büro oder das Innenleben des Autos auf die Persönlichkeit anderer schließen.

Auch Uwe Linke glaubt, dass Wohnen und Psychologie zusammen gehören. „Die Beschäftigung mit der Psychologie des Wohnens macht uns unsere wirklichen Bedürfnisse bewusst“, schreibt er in seinem Ratgeber. Er geht dabei den umgekehrten Weg wie Gosling: Linke schließt nicht von der Einrichtung auf die jeweilige Persönlichkeit, sondern ist sich sicher, dass es wichtig ist, die eigenen Bedürfnisse zu kennen. „Das Entscheidende dabei ist, dass wir uns bewusst mit der Lebensraumgestaltung auseinandersetzen. Dadurch erkennen wir unsere Konzepte, die unser Innenleben mit seinen Bedürfnissen authentisch zum Ausdruck bringt.“ Weiters meint er, dass wir Sicherheit und Geborgenheit gerade auch in unseren vier Wänden suchen. „Wir sind daran interessiert, uns selbst in unserem Lebensumfeld noch stimmiger, noch authentischer auszudrücken und im Zuhause die Sicherheit, Geborgenheit und Erholung zu erfahren, die wir brauchen, um Lebenserfüllung oder Glück zu empfinden.“

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Foto: Haas / Wohnen mit Stil

Peter Rath vom Einrichtungsstudio „Wohnen mit Stil“ ist ebenso davon überzeugt, dass Wohnen und Wohlfühlen zusammengehören. Einrichtung soll jedoch losgelöst von Trends gesehen werden und vielmehr auf die Bedürfnisse des Einzelnen eingehen. „Alles, was gefällt, ist erlaubt. Die Zeiten und Menschen ändern sich, jeder entwickelt eigene Gewohnheiten und Wünsche. Im Endeffekt ist Lebensstil das, was jeder Einzelne daraus macht“, erklärt Rath.

Hilfe mit Gestaltungs(frei)räumen

Obwohl diese wissenschaftlichen und psychologischen Erkenntnisse äußerst schlüssig und nachvollziehbar sind, fällt es uns oft schwer, eine Umgestaltung bzw. eine Neuaufteilung der eigenen Wohnung in Angriff zu nehmen. Experten können Ihnen gezielt dabei helfen, Entscheidungen zu treffen und neuen Schwung in die vier Wände zu bringen.

Beim Einrichtungscoaching oder Homestyling geht es nicht darum, den Geschmack des Profis umzusetzen, sondern ganz individuelle Lösungen zu finden. Der frische Blick von außen liefert neuen Input und neue Ideen. Auch eine etwaige Neuaufteilung des Platzangebotes kann so leichter erreicht werden. „Ein homogenes Farbkonzept und eine passende ausdrucksstarke Beleuchtung sind der erste Schritt zu einem neuen Wohlfühlambiente. Aber nicht nur Privatpersonen brauchen manchmal frischen Wind und Hilfe bei der Umsetzung. Gerade auch Gewerbetreibende können vom Einrichtungscoaching profitieren, wenn es beispielsweise um die Neugestaltung von Büroräumen oder Eingangsbereichen geht“, erklärt Julia Harbrecht von „Home Staging deluxe Locations“.

Vorstellungskraft und Visionen

Persönlichkeit und Individualität machen ein Zuhause erst so richtig lebenswert. Dennoch kann gerade die eigene Note für einen möglichen Verkauf hinderlich sein. Ist ein Objekt zu vollgestellt oder in zu schrillen Farben gestrichen, wirkt das abschreckend. Aber auch ein völlig leer geräumtes Domizil macht es schwer, sich Gemütlichkeit und Wohlbefinden im eigenen Stil vorzustellen. Home Staging ist in diesem Zusammenhang das neue Zauberwort.

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Foto: Julia Harbrecht/Home Staging deluxe Locations

Home Staging gilt in den USA seit den 1970er Jahren als erfolgsversprechende Verkaufstechnik. Nun ist der Trend auch in Europa angekommen. Kurz zusammengefasst bringt Julia Harbrecht es auf den Punkt: „Home Staging ist eine verkaufsfördernde Maßnahme zur perfekten Immobilienpräsentation.“ In mehreren Schritten wird ein Objekt so in Szene gesetzt, dass es ein breites Publikum anspricht und schnell und gewinnbringend verkauft werden kann. Zunächst wird die Wohnung entrümpelt, gereinigt und in dezenten Farben gestrichen. Anschließend werden Möbel (um)gestellt und Dekoartikel sowie Wohnaccessoires platziert. Es geht beim Home Staging vor allem auch darum, den ersten Eindruck, den die Räumlichkeiten hinterlassen, zu optimieren und die Raumdimensionen einschätzbar zu machen.

„Die Vorauswahl der Immobilien passiert meist schon im Internet. Es ist dann aber extrem wichtig, den positiven ersten Eindruck auch bei der Besichtigung zu erhalten“, sagt Andrea Weilharter von Azwei homestaging. „Ein Käufer sollte schon bei der Besichtigung den Wohlfühleffekt spüren.“ Die eigenen vier Wände sollen ja schließlich Ihre ganz persönliche Rückzugsoase sein!

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nachher – gestaltet von Azwei

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