Auch das Herrchen geht in die Hundeschule

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Auch das Herrchen geht in die Hundeschule

Tobias Pfeiffer hält nichts davon, einen Hund abzurichten. Stattdessen setzt der Ebenauer auf artgerechtes und gewaltfreies Training. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Hundebesitzer.
Ein Artikel von Helmut Millinger

Wenn ein Fremder das Haus von Familie Pfeiffer im Ebenauer Ortsteil Vorderschroffenau betritt, wird er nicht von lautem Bellen oder gar von einem auf ihn zustürmenden Vierbeiner empfangen. Haushund Leonie blickt beim Besuch der FLACHGAUERIN zwar kurz auf, setzt dann aber sein gemütliches Vormittagsschläfchen fort. Auch beim anschließenden Spaziergang lässt sich die zweieinhalbjährige Boerboel-Hündin durch nichts und niemanden aus der Ruhe bringen.

Das ist auch kein Wunder, schließlich ist Leonies Herrchen Hundetrainer. Tobias Pfeiffer machte vor zwei Jahren sein Hobby zum Beruf und gründete die Hundeschule „So is brav“. „Ich habe an der Fachhochschule Krems Wirtschaftswissenschaften studiert. Mit der Zeit hat mich das Bürositzen aber nicht mehr interessiert. Weil ich mit Hunden aufgewachsen bin und mir die Arbeit mit ihnen immer gefallen hat, ist dann irgendwann die Idee entstanden, mich als Trainer selbstständig zu machen“, erzählt der 32-Jährige.

„So is brav“ hat sich ganz dem gewaltfreien Training verschrieben und unterscheidet sich dadurch wesentlich von herkömmlichen Hundeschulen. „Während dort nur falsches Verhalten korrigiert wird, arbeiten wir daran, es gar nicht soweit kommen zu lassen. Der Hund wird mit Hilfe von Belohnungen wie Futter oder Streicheln motiviert, etwas richtig zu machen“, sagt Tobias Pfeiffer. Generell gebe es in der Branche „viel Spreu und wenig Weizen“: „Viele Trainer gehen nicht mit der Zeit und verwenden seit 20 Jahren die gleichen Trainingsmethoden.“

_49D1073Sein Konzept setzt bei der Beziehung zwischen Mensch und Hund an. Eine vernünftige soziale Struktur, die dem Tier Sicherheit und Geborgenheit gebe, sei dabei der zentrale Punkt. „Der Hund muss wissen, wer der Chef ist. Wenn er seinen Halter nicht als Bezugsperson akzeptiert, kann es zum Beispiel passieren, dass er ein Kind beißt“, erklärt Pfeiffer.

Der Besitzer sei letztlich die Ursache für jedes Fehlverhalten eines Hundes. „Wenn er dauernd an der Leine zieht, liegt das daran, dass ich ihm nicht wichtig bin. Es gibt auch keinen Hund, der bissig oder als Kampfhund geboren wird. Schuld ist immer das Umfeld“, meint Tobias Pfeiffer.

Für den Trainingserfolg seien die Hundehalter mindestens genauso wichtig wie ihre vierbeinigen Freunde. „Der Halter ist immer dabei und muss aktiv mitarbeiten. Es nützt nichts, wenn ich etwas vorzeige und der Hund dann nur bei mir brav ist“, sagt Pfeiffer. Ohne Disziplin, Geduld und ein gewisses Maß an Konsequenz gehe es nicht. „Bei gewissen Dingen dürfen Herrchen oder Frauchen nicht nachgeben, auch wenn der Hund noch so lieb schaut.“

Das „So is brav“-Basistraining beginnt im Haus oder in der Wohnung des Hundebesitzers und beinhaltet vor allem die Impulskontrolle sowie den Aufbau einer Bindung zwischen Hund und Halter. Oberstes Ziel der Arbeit sei die Alltagstauglichkeit, betont Tobias Pfeiffer: „Ich muss mit dem Tier ins Wirtshaus, auf den Berg oder ins Museum gehen können, ohne dass es zu Problemen kommt. Wenn ich mit ihm in der Großstadt unterwegs bin, muss er genauso brav an der Leine bleiben wie bei einem Spaziergang auf dem Land.“

Die Erfolgsquote seiner Methode sei „sehr hoch“, so Pfeiffer. Die Dauer des Trainings hänge von der Vorgeschichte des Hundes und der Mitarbeit seines Halters ab. „Bei den Hunden habe ich noch keine hoffnungslosen Fälle erlebt, bei den Haltern dagegen schon“, sagt Pfeiffer. Besonders schwierig sei die Arbeit mit ängstlichen Tieren. „Wenn sie sich vor Menschen, Fahrzeugen und vielen anderen Dingen fürchten, kommt man nur mit viel Ruhe und Geduld zum Erfolg.“

Das Training sollte idealerweise möglichst früh beginnen. „Wenn der Hund schon fünf Jahre an der Leine gezogen hat, hört er nicht von heute auf morgen damit auf.“ Wichtig sei auch die regelmäßige Arbeit mit den Vierbeinern. „Nur so ist eine dauerhafte Verhaltensänderung möglich. Sonst verlernt der Hund das, was er trainiert hat, wieder“, betont Tobias Pfeiffer.

_49D1065Welcher Hund passt zu mir?

Tipps zur richtigen Wahl meines Hundes:
• Wohnraum des Hundes (Haus mit Garten oder kleine Wohnung?)
• Familiäre Situation (alleinstehend, mit Familie?)
• Wie ist der Alltagsablauf und welche Hobbys habe ich? (z. B. will ich gerne Radfahren oder laufen gehen mit dem Hund?)

Der WICHTIGSTE PUNKT ist aber:

• Wieviel Zeit kann ich für das Training des Hundes aufbringen? Es gibt einfach trainingsintensivere Rassen und Hunde, die mit weniger Training bzw. weniger Arbeit auch sehr gut alltagstauglich sind.

Wie gehe ich richtig mit dem Hund um?

• Der Hund ist ein Hund und kein Mensch. er sollte daher auch nicht wie ein Mensch behandelt werden. Nicht vermenschlichen!
• Artgerecht und seinen biologischen Regeln folgend.
• Gewaltfrei!!
• Viel Kopfarbeit ist wichtiger als ständiges, monotones Spazieren gehen
• Viele Sozialkontakte mit anderen, gut erzogenen Hunden!

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