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Biobauern – sie schauen aufs Ganze

Antibiotika im Fleisch, Salmonellen oder Glykolwein – immer wieder gibt es Lebensmittelskandale. Nicht zuletzt aus diesem Grund boomen Biowaren. Wie Bio ist der Flachgau? Wir haben zwei Bauern besucht.
Ein Artikel von Birgit Gehrke

_MG_0325Stolz präsentiert Jungbäuerin Katharina Hofer ihren modernen Stall. „Manche sind ganz überrascht, wenn sie unseren Melkcomputer sehen. Aber Bio heißt nicht, dass wir als Steinzeitbetrieb arbeiten und keine Technik verwenden dürfen“, lacht sie. Die Hofers aus Obertrum, besser bekannt als „Joglbauer“, sind Bio-Pioniere der ersten Stunde. Seit 1979 wird am Hof im Kreislauf mit der Natur gewirtschaftet. Harmonie zwischen Mensch und Tier und gesunde Bio-Produkte für den Kunden anbieten zu können, waren mit ausschlaggebend für die Entscheidung, einen Biobauernhof zu führen. „Etwas anderes kam nie in Frage. Zudem haben sich damals hier in der Gegend mehrere Bauern mit dem Ziel, biologisch zu arbeiten, zusammengetan. Wir haben Erfahrungen ausgetauscht und sind daran gewachsen. Das Interesse der Bevölkerung war aber noch nicht besonders groß“, erinnert sich „Familienoberhaupt“ Maria Hofer. Als Familienbetrieb packen hier drei Generationen mit an – Maria Hofer, ihr Mann Andreas sowie der gemeinsame Sohn Robert mit seiner Frau Katharina. Auch Hofers Enkelkinder Robert, Georg und Florian sind voll dabei.

Großes Umdenken
Das große Umdenken startete laut Hofer 1986 mit der Tschernobyl-Katastrophe. Von da an begannen die Leute zu hinterfragen, woher ihre Lebensmittel eigentlich kommen. „Anfangs bürgten wir mit unserem Namen, dann wollten die Kunden aber nachvollziehbare Kriterien. So kamen nach und nach spezielle Vorgaben“, erzählt Hofer. Verpflichtende Weiterbildungskurse, naturnahe Düngung und Standards in Bezug auf die Tierhaltung. Das – in diesem Fall – Rind hat bei Bio einen hohen Stellenwert, Massentierhaltung ist tabu. Ebenso verpflichtend sind die Bewegungsfreiheit der Tiere – eine Weide ist ein Muss – sowie die Verwendung von gentechnisch unverändertem Bio-Futter.
_MG_0352„Die Betriebskosten sind dadurch höher – allein das Futter kostet mehr als doppelt so viel wie herkömmliches“, erklärt dazu Ernst Lottermoser, Bioberater bei der Landwirtschaftskammer Salzburg. Auch in der Tiermedizin verfolgt Lottermoser, selbst Bio-Bauer, einen anderen Ansatz. „Es gibt keine prophylaktische Behandlung mit Antibiotika. Medikamente werden nur kranken Tieren und mit tierärztlicher Verschreibung verabreicht. Impfungen ja – wenn diese behördlich vorgeschrieben werden“, betont er.

Ist mein Bauer wirklich Bio?
Trotzdem ist es Fakt, dass nicht alle Bauern so leicht auf Bio umsteigen können. Will ein Landwirt umstellen, muss er durch eine zweijährige Umstellungsphase. Um diese zu starten, sucht er sich eine der österreichischen Kontrollstellen aus, mit der er einen Vertrag abschließt. Es folgen verpflichtende Weiterbildungskurse, mindestens zwei Überprüfungen sowie eventuelle Umbauarbeiten der Ställe. Biologisch vermarkten darf er während der Umstellung noch nicht, hat aber gleichzeitig bereits höhere Kosten. Erst wenn die gesetzlichen Grundlagen erfüllt sind, erhält der Bauer ein amtliches Zertifikat. Damit können dann auch Förderungen beantragt werden. Jeder Konsument kann übrigens ganz einfach überprüfen, welcher Bauer wirklich Bio ist: Alle Landwirte sind unter www.bioc.info gelistet und auffindbar. Zu sehen sind hier unter anderem die verantwortliche Kontrollstelle und was genau dieser Bauer produziert.
_MG_0341Lottermoser setzt sich stark für mehr Bio-Bauern ein. „Das Entscheidende ist der Kopf, das Umdenken. Viele Bauern hätten die besten Voraussetzungen. Man muss in Nachhaltigkeit und Kreisläufen denken. Jeder, der neu einsteigt, ist gut für die Welt, sag‘ ich jetzt mal leicht pathetisch.“

Die Kuh als „Familienmitglied“
Zurück zur Familie Hofer. 40 Milchkühe und die jeweilige Nachzucht leben hier in einem hellen Außenklimastall. Die Tiere haben jederzeit die Möglichkeit, ins Freie zu „spazieren“, gefüttert wird Gras und Heu mit Getreide als Ausgleichsfutter. Etwa 20 Liter Milch geben die Kühe pro Tag, der hohe Stellenwert der „tierischen Kollegen“ ist deutlich spürbar. „Die Kühe wachsen dir ans Herz, viele von ihnen sind zahm. Du hast einfach eine Freude, wenn du in den Stall gehst und die gesunden Tiere siehst. Mein Schwiegervater kennt jede Kuh sogar beim Euter“, lacht Jungbäuerin Katharina Hofer.
Ein wichtiges wirtschaftliches Standbein ist der eigene Hofladen, der vor einem Jahr renoviert wurde und sich als heller Shop voll duftender Köstlichkeiten präsentiert. In der Ecke steht ein kleiner Tisch – viele Kunden verweilen gerne auf einen Tratsch. Bereits seit 1986 werden hier eigene Erzeugnisse sowie Produkte von Biobauern aus der Region angeboten: Von Milch und selbstgebackenen Broten über Fertigspeisen wie Knödel bis hin zu hochwertigen Ölen und Obst – das Sortiment ist vielfältig. In der großen Frischetheke wird eine reichhaltige Auswahl an Fleisch, Käse, Aufstrichen und mehr angeboten.
Die Preise sind etwas höher als im Supermarkt. „Bio muss aber auch einen anderen Preis haben, weil der zeitliche Aufwand, die Tierhaltungskriterien sowie die viele Handarbeit, etwa beim Gemüseanbau, abgegolten werden muss. Da muss ein Umdenken stattfinden, um regionale Kreisläufe und kleine Strukturen zu fördern“, bringt es Robert Hofer auf den Punkt.

Von Anfang an Bio
Weiter geht die Reise durch die sanfte Hügellandschaft des Flachgaus zu Niki Unterholzer, Hallwanger Bio-Milchbauer aus Leidenschaft. Sein Hof steht leicht erhöht und ist durch den blauen Anstrich schon von Weitem gut zu erkennen. „Nikis Milli“ steht auf einem großen Plakat, welches an der Stallmauer angebracht ist. Darauf zu sehen ist eine fröhliche Comic-Kuh, die auf einer Wiese hüpft. „Das habe ich zu meinem 20jährigen Jubiläum bekommen“, lacht der „Chef“ des Hauses, Niki Unterholzer. Für den Bauern kam nie etwas anderes als Bio in Frage: „Ich arbeite seit Beginn, also seit 1992, biologisch. Meine Mutter war der Meinung, man müsse für ein besseres Wachstum Kunstdünger einsetzen. Ich war immer dagegen“, so Unterholzer, der aufgrund einer Erkrankung seiner Mutter den Hof bald selbstständig führte.
Doch auch er sieht in den regelmäßigen behördlichen Kontrollen eine Herausforderung für (künftige) Biobauern. Mindestens einmal jährlich, meist aber öfter, werden die Bauern von einer BIO-Kontrollstelle auf die Einhaltung der Richtlinien wie etwa die Stallgröße überprüft. So kann es vorkommen, dass ein erst vor drei Jahren gebauter Stall erneut um wenige Zentimeter vergrößert werden muss – nicht selten sind solche neuen Vorgaben eine finanzielle Zusatzbelastung.
Doch die Kontrollen dienen vor allem als Sicherheit für den Kunden. So wird garantiert, dass nur Produkte auf den Markt kommen, die entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen produziert werden. „Für mich war es nie ein Problem, die Kriterien zu erfüllen. Es ist mir wichtiger, dass ich für die Konsumenten vertrauenswürdig bin“, sieht Unterholzer in den Maßnahmen keine Einschränkung seiner Arbeit.

_MG_0407Die Milch kommt per E-Auto
16 Kühe wohnen auf dem Hof von Unterholzer – eigentlich zu wenige, um davon leben zu können. „Als Schulmilchbauer reicht das aber. Pro Tag produzieren ich und meine Kühe 2.000 Becher Schulmilch.“ Und der Umweltgedanke macht auch beim Transport nicht Halt. Seine morgendliche Schulmilch-Auslieferung fährt Unterholzer per Elektroauto. Sehr praktisch sei das: „Um 8 Uhr bin ich von der Tour zurück, dann lade ich das Auto wieder auf. Ich habe dafür eine eigene Photovoltaik-Anlage.“
Und wenn Unterholzer über Kühe spricht, merkt man seine Begeisterung für das Tier: „Kühe sind für mich ein Wunder der Natur. Meine älteste Kuh, die Conny, ist schon 18 Jahre alt.“ Eine Begeisterung, die auch dem Konsumenten wichtig sein sollte.

Fotos: www.kaindl-hoenig.com
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