Bretter, die die Welt bedeuten

Bretter, die die Welt bedeuten

Eine beeindruckende Zahl an Flachgauer Theatergruppen bietet mit ihren Aufführungen Unterhaltung für Jung und Alt. Ehrgeiz und Enthusiasmus der Amateurschauspieler kennen dabei (fast) keine Grenzen.
Ein Artikel von Helmut Millinger

Das Theaterspielen liegt den Flachgauern im Blut. Das bestätigt auch Veronika Pernthaner, die Geschäftsführerin des Salzburger Amateurtheaterverbandes: „Es gibt hier eine sehr aktive Theaterlandschaft mit einer großen Dichte und Vielfalt an Theatergruppen. Das geht soweit, dass sogar in einzelnen Ortsteilen eigene Gruppen gegründet werden.“

Veronika Pernthaner

Pernthaner schätzt die Zahl der Aktiven, die regelmäßig an Theateraufführungen im Flachgau mitwirken, auf rund 600. „Die Bühnenbauer und Beleuchter sind dabei genauso wichtig wie die Darsteller auf der Bühne.“ In den 37 Gemeinden des Bezirks gebe es nicht weniger als 32 Vereine, die vom Amateurtheaterverband betreut werden. Zu den traditionsreichsten gehören das 1945 gegründete Theater Holzhausen und die Theatergruppe Koppl, die heuer ihr 90-jähriges Bestehen feiert. „Wir wollen Geschichten erzählen und das Publikum unterhalten. Was wir nicht wollen, sind seichte Geschichten, die sich über jemanden lustig machen“, erklärt Obmann Oswald Seitlinger die Philosophie der Koppler Theaterspieler.

Koppl 2016, Ronja Räubertochter, Sophie Kurz

Theater mit Herzblut

Seitlinger ist voll des Lobes für das Engagement und den Enthusiasmus der über 80 Vereinsmitglieder. „Wir machen ein bisschen mehr als nur Theater. Wenn wir auf der Bühne stehen, merken die Zuschauer, dass wir mit viel Herzblut bei der Sache sind.“ Dementsprechend groß ist der Publikumszuspruch, die traditionell im Kirchenwirt stattfindenden Aufführungen sind meist ausverkauft.

Die Theatergruppe Koppl schreckt auch vor schwierigen Aufgaben nicht zurück. Beim Jubiläumsstück „Der Bauer als Millionär“ wirkten rund 35 Darsteller mit, bei „Lumpazivagabundus“ waren es sogar 45. „Am Anfang kann man sich gar nicht vorstellen, solche Stücke mit Gesang und Live-Musik aufzuführen. Ich bin schon ein bisschen stolz darauf, dass es immer wieder so gut klappt“, meint Obmann Oswald Seitlinger.

Koppl 2016, Der Bauer als Millionär, Helmut Deisl, Sepp Krimplstätter

Foto:Theatergruppe Koppl

Koppl Obmann Oswald Seitlinger

Foto:Theatergruppe Koppl

Qualität nimmt zu

Die hohe Qualität ihrer Aufführungen zeichnet auch viele andere Flachgauer Theatergruppen aus. Die Zeiten, in denen weniger der Inhalt der Stücke als die schauspielerischen Darbietungen für Gelächter sorgten, sind längst vorbei. „Mit dem Bauerntheater der 1970er-Jahre hat das nichts mehr zu tun. Es gibt eine permanente Professionalisierung, die Grenzen zwischen Amateurtheater und professionellem Theater verschwimmen“, erklärt Veronika Pernthaner.

Der Amateurtheaterverband biete laufend Schauspiel- und Sprachschulungen sowie Kurse professioneller Bühnenbildner und
Beleuchter an, so Pernthaner. „Ich höre oft vom Publikum, wie spannend das Authentische und Unmittelbare des Amateurtheaters ist. Das ist auch der Grund, warum viele Leute aus der Stadt zu Aufführungen in den Flachgau fahren“, sagt die Geschäftsführerin des Salzburger Amateurtheaterverbandes.

Viele Besucher

Über mangelndes Publikumsinteresse kann sich auch die Theatergruppe Bergheim nicht beklagen. Zu den elf Aufführungen des Musicals „Ritter Kamenbert“ kamen im September und Anfang Oktober insgesamt rund 2.000 Besucher. Der Theaterverein wurde vor 40 Jahren gegründet und besteht aus rund 70 aktiven Mitgliedern. „Uns zeichnet ein sehr großer Zusammenhalt aus. Wir können auf viele fleißige Helfer zurückgreifen, die teilweise seit Jahrzehnten nicht mehr auftreten, aber immer noch im Hintergrund bei der Bewirtung oder als Platzanweiser mitarbeiten“, erklärt Obfrau Anneliese Ebner. „Bei uns geht es immer recht lustig zu, weil nur nette Leute dabei sind“, ergänzt Julian Glasl, der in Ritter Kamenbert die Hauptrolle gespielt hat. Der 13-Jährige ist trotz seiner Jugend schon ein alter Theaterhase. „Ich habe mit zwei Jahren das erste Mal mitgespielt, weil ich gern auf der Bühne stehe und mir das Proben Spaß macht.“

Bei der Auswahl der Stücke achten die Bergheimer laut Obfrau Anneliese Ebner darauf, „dass der Unterhaltungswert groß ist, aber daneben auch etwas Belehrendes vorkommt“.

Die Schauspieler bereiten sich in der Regel mehr als ein halbes Jahr auf ihren großen Auftritt vor. Für „Ritter Kamenbert“ wurde an die 50 Mal geprobt. „Wir haben im Februar mit den Leseproben begonnen.

Kurz vor der Uraufführung Mitte September gab es
Wochen, in denen wir fast jeden Tag geprobt haben“, sagt Ebner. Mit dem Theatervirus infiziert hat sich auch die Landjugend Plainfeld.

Sie hat heuer zum zweiten Mal nach 2014 eine Komödie auf die Bühne gebracht. „Dadurch, dass wir alle relativ jung sind, kommen bei unseren Aufführungen sehr viele junge Leute ins Theater“, erklärt Gruppenleiterin Hannah Mösenbichler. Die Reaktionen des Publikums seien ausnahmslos positiv gewesen. „Den Ortsbewohnern hat es gefallen, dass sie alle gekannt haben, die auf der Bühne gestanden und mitgespielt haben“, so Mösenbichler.

Theatergruppe Plainfeld

Foto:Theatergruppe Plainfeld

Theatergruppe Plainfeld

Foto:Theatergruppe Plainfeld

Theatergruppe Bergheim

Foto:Theatergruppe Bergheim

Theatergruppe Bergheim

Foto:Theatergruppe Bergheim

Theatergruppe Bergheim

Foto:Theatergruppe Bergheim
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