Gewürze-Wals

Das Gute wächst so nah

Im Flachgau werden nicht nur Gemüsesorten von A wie Artischocke bis Z wie Zucchini angebaut. Hier findet man auch zahlreiche Kräuter, die eine wohltuende Wirkung auf unseren Körper haben und von immer mehr Spitzen- und Hobbyköchen verwendet werden.

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Dieser alte Spruch trifft auf die vielen Wild- und Heilkräuter, die vor unserer Haustüre wachsen, ganz besonders zu. Sie sind nicht nur gesund, sondern auch schmackhaft und bekömmlich. Ein guter Boden für Kräuter aller Art ist etwa das Salzburger Seenland. Der dortige Tourismusverband hat sich diesen Umstand zu Nutze gemacht und im Vorjahr das Projekt „Kräuterleben – Kräutergenuss mit allen Sinnen“ gestartet. Ziel der Initiative ist es, das jahrhundertelang meist nur mündlich weitergegebene Wissen über Kräuter zu sammeln und möglichst vielen Menschen zu vermitteln.  Unter dem Motto „Gegen alles ist ein Kraut gewachsen“ informieren KräuterpädagogInnen und PraktikerInnen der Traditionellen Europäischen Heilkunde (TEH) im Rahmen von Führungen, Workshops und Kochkursen über die verschiedensten Aspekte der Kräuterkunde. Eine dieser Expertinnen ist Monika Rosenstatter aus Seeham. Sie beschäftigt sich seit rund 20 Jahren mit Kräutern. „Ich bin in dieses Thema hineingewachsen, weil ich als Kind oft krank war und meine Mutter und meine Oma mich mit Kräutern behandelt haben.“

Die „Kräuterhex vom Wiesenberg“, wie sie sich selbst nennt, hat eine einfache Erklärung für die Faszination, die die oft unscheinbaren Pflanzen auf viele Menschen ausüben. „Es sind Schätze aus der Natur, die unser Leben das ganze Jahr über bereichern.“ Rosenstatter macht keinen Unterschied zwischen Kräutern, Bäumen oder Rosen. Sie ist überzeugt davon, dass jede Pflanze etwas bewirkt und beispielsweise dazu beitragen kann, die Gesundheit zu erhalten oder wiederherzustellen. „Pflanzen können die Verdauung fördern, entschlacken, entgiften oder beruhigen. So hat etwa die Zitronenmelisse eine schlaffördernde und herzstärkende Wirkung.“

Im Flachgau seien Schafgarbe, Blutweiderich, Frauenmantel und andere Wildkräuter zahlreich vertreten. Es genüge aber oft auch schon, einen Blick in den eigenen Garten zu werfen. „Wenn man den Rasen biodynamisch behandelt, wachsen dort 10 bis 15 Kräuter, die man in der Küche, für Heilungszwecke oder als Dekoration verwenden kann“, sagt Rosenstatter.

Der experimentierfreudige Hobbykoch könne nahezu jede Speise mit Kräutern bereichern. „Wir essen meistens normale Hausmannskost, die ich mit Kräutern zu einem besonders nahrhaften und lebendigen Essen verfeinere“, erzählt die Seehamerin. Besonders vielseitig einsetzbar seien Brennnessel und Gundelrebe. „Die Brennnessel kann nicht nur für Suppen, Spinat oder Chips verwendet werden. Der kurz angeröstete Samen eignet sich für Desserts ebenso wie für die pikante Küche. Das leicht herbe Aroma der Gundelrebe wiederum passt zur Hausmannskost, aber auch zu Wild oder Fisch.“

Von den Vorzügen heimischer Kräuter sind auch Spitzenköche wie Christian Kastenmeier überzeugt. Für den Küchenchef des Haubenrestaurants Gmachl in Elixhausen gehören Bärlauch, Salbei und Liebstöckl zum täglichen Kochhandwerk. „Wir haben auf unserer Speisekarte mindestens 20 Gerichte, bei denen Kräuter eine wichtige Rolle spielen. Man kann damit eigentlich jedes Gericht aufwerten.“

Kastenmeier kann dabei aus dem Vollen schöpfen, im Kräutergarten des Restaurants wachsen etwa 20 verschiedene Kräuter. Neben Thymian und Rosmarin verleihen auch nicht alltägliche Kräuter wie der Bronzefenchel seinen Speisen das gewisse Etwas. „Ich arbeite außerdem sehr gerne mit Estragon. Er passt hervorragend zu Fisch sowie Salatdressings und eine Joghurt-Estragon-Créme schmeckt einfach herrlich“, erzählt der junge Küchenchef.

Geschmackserlebnisse der besonderen Art sind auch Kastenmeiers grüne Petersil- und Schnittlauchpürees sowie die bei den Gästen besonders beliebten Wildkräutersalate. „Sie haben einen wunderbar frischen Geschmack, von dem viele Leute überrascht sind.“

Die Gmachl-Küche sei traditionell mit modernen Akzenten. „Wir kochen regional und beziehen fast alle Grundprodukte aus der Umgebung. Für ein alteingesessenes Wirtshaus ist das ein stimmiges Gesamtkonzept, das auch honoriert wird“, meint der Spitzenkoch.

Kartoffeln und Gemüse werden unter anderem aus Wals-Siezenheim geliefert. Dort wird bereits seit 500 Jahren am Fuß des Untersberges Gemüse angebaut. Etwa 40 Betriebe kultivieren 250 Hektar wertvolles Ackerland und bauen mehr als 50 verschiedene Gemüsesorten an. Auf den nährstoffreichen Böden wachsen nicht nur Salat, Gurken oder Kraut, sondern auch Artischocken und Melanzani.

Mit exotischen Sorten hat auch Georg Reiter Erfahrung. „Wir haben heuer zum ersten Mal erfolgreich Süßkartoffeln angebaut, die sonst nur in Israel oder den USA gedeihen“, erzählt der 27-jährige Walser, der seinen Gemüseanbaubetrieb gemeinsam mit Frau Monika und Vater Georg sen. führt. „Die Kunden wollen nicht immer dasselbe bekommen, deshalb achten wir auf Vielfalt“, sagt Reiter.

Der Familienbetrieb bringt sein Gemüse auf Bauernmärkten in Oberalm, Anif und Hallein sowie jeden Freitag im Ab-Hof-Verkauf an die Frau bzw. den Mann. Produziert werden unter anderem Melonen, 25 Tomatensorten („Von rot über grün, gelb und orange sind alle Farben vertreten.“), russische Feldgurken und Trüffelkartoffeln, die auf dem Teller mit ihrer lila Farbe überraschen. Ganz nebenbei sind die Reiters auch die größten Knoblauchproduzenten in Salzburg. Heuer wurden auf einer Fläche von 3.500 m2  rund zwei Tonnen Knoblauch geerntet.

Helmut Millinger

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