Das Mitteilungsblatt hat ausgedient

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Das Mitteilungsblatt hat ausgedient

Die Zeiten, in denen Vereine versucht haben, mit Postwurfsendungen auf sich und ihre Anliegen aufmerksam zu machen, sind vorbei. Auch im Flachgau nutzen immer mehr Gruppierungen die neuen Kommunikationskanäle.
Ein Artikel von Helmut Millinger

Viele von uns können sich ein Leben ohne Facebook, Twitter, Instagram und Co. gar nicht mehr vorstellen. Die Sozialen Medien sind aber weit mehr als nur ein nettes
Privatvergnügen. Das zeigen Facebook-Gruppen wie „Thalgau hilft“. Die Plattform ist seit knapp einem Jahr online und hat es bis Anfang April immerhin auf 1.265 Likes gebracht.   

Andrea-Unterrainer1-Foto-privatUnter www.facebook.com/thalgauhilft findet man Infor-mationen über das Thalgauer Flüchtlingsquartier, in dem die Caritas etwa 150 Asylwerber betreut. „Für unsere Zwecke ist Facebook am besten geeignet, weil man rasch viele Personen erreicht und im Gegensatz zu einer Homepage auch die Rückmeldungen unmittelbar erfolgen können“, erklärt Andrea Unterrainer, die Organisatorin von „Thalgau hilft“. „Wenn jemand Hilfe braucht oder freiwillige Helfer sucht, kann er sehr schnell mit anderen in Kontakt treten.“

Auf der Plattform werden etwa ein Chauffeur für eine Fahrt nach Salzburg oder Interessierte für das gemeinsame Kochen mit Flüchtlingen gesucht. Auch Fotos von Ausflügen und
anderen Aktivitäten werden gepostet. „Es kommen auch immer wieder nette Sachen vor. Nachdem ein Flüchtling gepostet hat, dass er Schuhe braucht, hat sich spontan ein großzügiger Sponsor gemeldet“, erzählt Andrea Unterrainer.

Die Rückmeldungen seien ausgesprochen positiv. „Man kann natürlich nicht alle überzeugen. Ich glaube aber schon, dass es uns gelungen ist, Ängste und Vorbehalte, die es zum Teil gegeben hat, abzufedern und mehr Verständnis für die Flüchtlinge zu erreichen“, meint die Organisatorin der Facebook-Gruppe.

Daniela-Kinz-in-Aktion-Foto-Velochicks

Die Velochicks Salzburg nutzen ebenfalls ausgiebig die modernen Kommunikationsmittel. Der Verein für radsportbegeisterte Frauen wurde vor einem Jahr gegründet und ist ein Ableger der Velochicks in Wien und Graz. Unter den 20 Mitgliedern sind hauptsächlich Bikerinnen aus dem Flachgau und der Stadt Salzburg. „Wir haben unsere eigene Homepage www.velochicks.at und sind mit den anderen beiden ´Hühnernestern´ vernetzt. Außerdem wurden zwei Facebook-Gruppen gegründet: eine für Interessierte und eine für alle, die im Verein sind“, erzählt Daniela Kinz, die Gründerin von Velochicks Salzburg.

Facebook sei ein geeignetes Mittel, um den Verein und seine engagierten Mitgliedsfrauen zu positionieren. Mit Hilfe der Sozialen Medien könne man auch kurzfristig auf Ausfahrten, Kurse oder Camps hinweisen, so Kinz. Für seine Webaktivitäten greife der Verein vor allem auf das Know-how der Mitglieder zurück. „Jeder bringt sich im Rahmen seiner Möglichkeiten ein. Das gehört ebenso wie die familiäre Atmosphäre zu den großen Stärken der Velochicks“, betont Daniela Kinz.

Karl-Traintinger2-Foto-MillingerBereits wesentlich länger beschäftigt sich Karl Traintinger mit dem Medium Internet. Der Lamprechtshausener gründete im Herbst 1998 mit einer Handvoll Mitstreiter die Dorfzeitung. „Sie ist vermutlich eine der ältesten Internetzeitungen weit und breit. Damals waren solche reinen Internetprojekte für viele noch ein spanisches Dorf“, sagt Traintinger.

Die Idee entstand im Kulturverein „skys“, dem nur eine kurze Lebensdauer beschieden war. „Nach dessen Auflösung habe ich beschlossen, die Zeitung als Herausgeber und Chefredakteur weiterzuführen“, erinnert sich Traintinger. Eine Printausgabe sei nie zur Diskussion gestanden. „Dagegen haben nicht nur die hohen Kosten, sondern auch eine gewisse Technikverliebtheit meinerseits gesprochen.“

Auch wenn der Name bis heute geblieben ist, wurde aus der ursprünglichen Dorf- schon bald eine Kulturzeitung. Neben Theater- und Konzertkritiken, Cartoons und Kochrezepten haben getreu dem Motto „Dorf ist überall“ auch Reiseberichte aus Neuseeland Platz. Traintinger schätzt, dass derzeit etwa 2.000 Artikel online sind.

„Die Zeitung lebt vor allem von der Mundpropaganda. Schließlich sind die Leute über Facebook gut vernetzt. Wir haben etwa 25.000 bis 30.000 Leser pro Monat. Ein Drittel kommt aus Österreich, ein Drittel aus Deutschland und ein Drittel aus dem Rest der Welt“, sagt der 60-Jährige stolz.

Die Dorfzeitung habe sich vor allem mit ihren Theaterkritiken einen guten Namen in Salzburg gemacht, werde aber vom Land als nicht förderungswürdig angesehen. „Das hat den Vorteil, dass wir ein kritisches Medium machen können und nicht immer auf irgendjemanden Rücksicht nehmen müssen“, meint Karl Traintinger.

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