beitragsbild_kreuzfahrt

Die Welt entdecken

Als „Mumienschlepper“ waren sie lange Zeit verschrien, Kreuzfahrtschiffe bieten aber für Jung und Alt, Familien, Paare und Singles eine unvergessliche, eindrucksvolle Zeit auf See und an Land.
Ein Artikel von Marion Flach

Vor der Kofferabgabe herrscht hektisches Treiben, vergleichbar wohl mit einem Ameisenhaufen. Arbeitende Hände, unwissende, in der Gegend herumstehende Urlauber. Durchaus eine interessante Mischung. Weiter geht es dann in die Einschiffungshalle. Auch dort Stimmengewirr und nervös-freudige Aufbruchstimmung.
Das Schiff kann schon begutachtet werden. Es ist riesig, fast schon monströs. Habe ich mir meinen Urlaub wirklich so vorgestellt – mit 3.500 anderen Passagieren auf See? Noch bin ich etwas unschlüssig, gleichzeitig aber voller Vorfreude: Schließlich wartet das Abenteuer Nordsee auf uns.

Kabinenparty
Endlich geschafft – das Prozedere beim Einchecken kann sich sehen lassen: Bordpass mit Foto, Sicherheitskontrolle, Anweisungen zur richtigen Hygiene (Hände nach dem Landgang immer desinfizieren). Jetzt kann es also los gehen. – Erste Aufgabe: Wo ist die Kabine?
Das Schiff ist wahnsinnig groß und eine Orientierung (noch) unmöglich. Ausgestattet mit einem Lageplan und mit Hilfe der Monitore auf jedem Deck schlagen wir uns dann aber trotzdem bis zu unserer Kabine durch. Die Tür lässt sich etwas schwer öffnen, dahinter aber eröffnet sich ein kleines Paradies – mit direktem Blick aufs Meer. Für Alpenländler wie uns ist das schon das erste Highlight der Reise.
In der Kabine ist auf engstem Raum alles verpackt, was man für einen (längeren) Aufenthalt benötigt – auch im Badezimmer. Einzig und allein die Vakuum-Toilette ist zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig. Mein erstes Resümee lautet also: Hier lässt es sich aushalten!

P1030666

Fotos: Marion Flach

Mikrokosmos
Das Schiff ist nicht nur ein Fortbewegungsmittel. Die nächsten 7 Tage ist es unser Zuhause – ein schwimmendes Hotel eben. Unsere vorübergehende Bleibe gilt es natürlich auch zu entdecken: Das kulinarische Angebot ist wirklich groß, bei Weitem aber noch nicht alles, was es zu sehen gibt: Fitnessstudio, Pools, Wasserrutschen, Bars, Live-Musik, Bibliothek, Shoppingmöglichkeiten – was das Herz begehrt, ist hier zu finden. Gleichzeitig ist es aber auch sehr ruhig: Keine Handys, die klingeln, keine WhatsApp-Nachrichten, die das Smartphone pfeifen lassen – auf hoher See gibt es keinen Handyempfang, Internet steht nur bei Extrabuchung zur Verfügung. Eine Woche offline – für einen Informationsjunkie wie mich könnte das eine Herausforderung werden.

Im Land der Träume
Obwohl die neueste Generation der Kreuzfahrtschiffe mittlerweile schon so toll ausgestattet ist, dass der Seegang kaum bis gar nicht zu spüren ist, wird man doch sanft in den Schlaf gewiegt. Die Stille, die auf hoher See herrscht, gepaart mit absoluter Dunkelheit, sorgt für erholsame Nächte, auf die ich mich gerade im Urlaub sehr gefreut habe. Obwohl ich schon sagen muss, dass diese vollkommene Finsternis zunächst gewöhnungsbedürftig war.

Spannendes (Nord-)Europa
Eigentlich könnte man sich während der ganzen Woche auf dem Schiff beschäftigen – mir wäre sicher nicht langweilig geworden. Aber gerade auch die Landgänge sind es, die diese Art zu reisen so speziell macht. Heute da – morgen dort: Ausgeruht und ausgeschlafen kommen wir am nächsten Hafen an und können ganz entspannt auf Entdeckungstour gehen. Europa, und vor allem auch Nordeuropa, hat für Abenteuerlustige einiges zu bieten. Ein klassischer Sommerurlaub schaut zwar sicher anders aus, aber die Eindrücke, die ich auf dieser Reise gesammelt habe, machen das ein oder andere fehlende Grad auf dem Thermometer wieder wett.
Stonehenge, Eiffelturm und Nôtre Dame, das Rathaus von Brügge oder die Wolkenkratzer von Rotterdam sind nur ein paar ausgesuchte Highlights, die ich in dieser einen, kurzen Woche sehen und erleben durfte – jeder Tag ein wahres Erlebnis voll mit unterschiedlichsten Sprachen, kulinarischen Genüssen, imposanten Gebäuden oder sportlichen Aktivitäten.

P1030664Seebär?
Zugegeben, ich habe auch nach meinem Urlaub noch ein paar Tage gebraucht, um alle Eindrücke zu ordnen und zu verarbeiten. Aber die Reise war ein spannendes Erlebnis, das Experiment „1 Woche offline“ ist geglückt und hat mir gut getan. Die (Nord-)See und den Kontinent auf diese Art und Weise zu erleben und zu erkunden, ist aufregend, interessant und reizvoll zugleich. Die Gefahr, dass selbst ein Alpenpflänzchen zum Seebär wird, besteht durchaus.

Fotos: Marion Flach
Alle Beiträge aus Reise


Facebook Icon