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Ein Stück Lungau in Katalonien

In Matadepera, einer Stadt in Katalonien nahe Barcelona, gibt es gleich zwei Lokale, die den Namen Mariapfarr tragen: eine typische Eisdiele sowie ein nach alpenländischem Vorbild geführtes Bierlokal.

Seit drei Jahrzehnten besteht zwischen Matadepera und Mariapfarr eine Gemeindepartnerschaft, kund getan 1984 mit der Unterzeichnung der Urkunde. „Wir kennen uns seit mehr als dreißig Jahren und sind jetzt wie eine große Familie!“, schwärmt Esther Carrera Arguindegui über die Bande ihrer Heimatstadt in Katalonien mit dem Lungauer Ort. Mariapfarr kennt sie aus mehreren Urlauben recht gut. Zuhause in Matadepera ist Esther Gastronomin, ihren zwei Betrieben hat sie den Namen „Mariapfarr“ gegeben. Jedes dieser beiden Gastronomie-Logos ziert „Samsons“ Kopf.

Der „Samson“ ist eine Traditionsfigur, im inneralpinen Raum gibt es zwölf dieser Umzugsriesen, zehn im Lungau und zwei in der Steiermark. Die Samson-Figuren sind bis zu 8 Meter groß und bis zu 85 Kilogramm schwer. Die Riesenfiguren in Matadepera heißen „Gigantes“, von ihnen gibt es mehrere, da immer wieder neue Figuren gebaut werden.

Die übergroßen, menschlichen Gestalten in Begleitung der Musikanten bleiben auch weiterhin die Hauptträger der Verbindung. „Alles rund um die Gemeinde-Partnerschaft und die Riesenfiguren berührt mich sehr. Ich dachte, es wäre eine gute Idee, meine Betriebe nach Mariapfarr zu benennen. Schließlich sind wir dank dieser Riesen Partner“, achtet die Katalanin die gemeinsamen Interessen der verschiedenen Kulturen. 1982 reiste der Mariapfarrer Samson zu einem „Gigantestreffen“ nach Matadepera. Im Folgejahr kamen einige katalanische Riesen aus Matadepera nach Mariapfarr – das war der Gründungsakt für die Gemeindepartnerschaft. Es folgten weitere, gegenseitige Besuche.

So sind die Gigantes und der Samson in Matadepera jedem ein Begriff, und die Bewohner würden sie automatisch mit dem Partnerort in Österreich assoziieren.

Abgesehen von den beeindruckenden Traditionsfiguren haben sich über all die Jahre hin auch weitere Berührungspunkte zwischen der Provinz Barcelona und dem südlichsten Bezirk Salzburgs ergeben. Im Fall von Esther und ihrem Mann Carlos Kotnik ist es ein gastronomischer Bezug. Seit Oktober 2013 ist das Band mit der Lungauer Stille-Nacht-Gemeinde in Form der „Mariapfarr – Cerveseria Frankfurt“ geknüpft. Seit Juni 2014 ist diese Verbindung dank der „Gelateria Mariapfarr“ allgegenwärtig. Die deutsche Stadt im Logo-Namen soll hierbei übrigens nicht verwirren: „Frankfurt“ ist die landesübliche Bezeichnung für eine Lokalität, in der „Frankfurter Würstel“ serviert werden.

Das Bierlokal befindet sich mitten in der Stadt. Fünfzig Sitz- und Stehplätze laden zur Einkehr ein, auch einige Holztische im Außenbereich. Deutsches Bier wird hier ausgeschenkt, auf der Speisekarte stehen original Frankfurter Würstel, auffallend auch die „Mariapfarr-Semmel“, eine Semmel mit Wiener Schnitzel. Die Atmosphäre im Gastraum ist gemütlich. Die Einrichtung ist aus Holz und im Lungauer Stil, die Dekorationsgegenstände sind meist Erinnerungen aus Mariapfarr. Es gibt auch Samson-Bilder. All diese Feinheiten in Kombination, die Anlehnungen an den traditionell-rustikalen Einrichtungsstil sowie die Fotos und Souvenirs stellen den direkten Bezug zu Lungau beziehungsweise allgemein zum alpenländischen Lebensstil her.

Nicht weit entfernt, in der Fußgängerzone von Matadepera befindet sich der Standort Esthers Gelateria. Diese präsentiert sich im südländisch üblichen Stil. Der Blickfang, selbstverständlich, die farben- und sortenreiche, bunt gefüllte Eisvitrine. Aus ihren Tiefen lockt eine Vielfalt an Eisspezialitäten, die in allen möglichen, kreativen Variationen gereicht werden. Auch Crepes und andere Desserts zählen zur breiten Angebotspalette. Esther garantiert dabei höchste Qualität, natürliche Aromen und die Frische sämtlicher Zutaten.

Bis vor kurzem waren die neuen gastronomischen Akzente im Ortsbild des Städtchens Matadepera noch unbekannt für die Freunde aus Mariapfarr. Es ist erst wenige Wochen her, dass eine sechzigköpfige Abordnung aus Mariapfarr den jüngsten Partnerschaftsbesuch in Matadepera absolvierte. Die Mariapfarrer Jugend sollte für Land und Leute begeistert werden, deshalb war die Jugendkapelle StGöriaPfarr – mit Musikanten aus St. Andrä, Göriach und Mariapfarr – mit dabei. Ende August erwies sich einmal mehr als optimaler Besuchszeitpunkt, da in Matadepara dann immer das „Festa Major! gefeiert wird. Dieses Patronziniums-Fest, in deren Mittelpunkt typische katalanische Bräuche stehen, zieht sich über mehrere Tage. Nicht vergleichbar mit Festgewohnheiten hierzulande.

Ein anderes Land, eine andere Kultur. Gerade diese Verschiedenheit macht die Partnerschaft so interessant! Das kann Bürgermeister Franz Doppler, immerhin der erste Nicht-Katalane, als Festredner bei der Eröffnung eines der vergangenen „Festa Major“, nur bestätigen: „Diese Gastfreundschaft ist einmalig, das kann man nicht zurückgeben. Der Empfang ist herzlich, egal, ob man sich schon kennt oder nicht.“

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