beitrag_haunsberg

Klein-Gallien oder wie der Haunsberg seine Identität stärkt

Haunsberger Gemeinden wollen keine Schlafdörfer sein
Ein Artikel von Bernhard Robotka

Die Haunsberger oder besser gesagt die Bewohner der Haunsberg-Gemeinden, wollen sich mehr profilieren und das eigene Bewusstsein mehr stärken. Fast so wie das gallische Dorf, das fest auf eigenen Beinen steht. Das Projekt „Identität Haunsberg“ wurde 2016 gestartet und soll die Fähigkeiten und die Kreativität der Bevölkerung hervorkehren. Im Vordergrund steht auch, die Lebensqualität und die Naturschönheit der Region zu bewahren.

Bewusstsein schaffen – Juwel schärfen
Ausgangslage für „Identität Haunsberg“ war das Jubiläum 200 Jahre Salzburg bei Österreich. Da gab es die Möglichkeit, verschiedene Projekte entstehen zu lassen. „Der Haunsberg ist etwas Besonderes, weil er sich über fünf Gemeindegrenzen erstreckt. Und so haben sich ein paar Leute Gedanken darüber gemacht, wie wir mehr Bewusstsein für die Region schaffen und gleichzeitig dieses besondere Juwel schärfen können“, erklärt Ulrike Grabler, Geschäftsführerin von „Identität Haunsberg“. Die Landwirtschaftskammer hat das Projekt ins Rollen gebracht. Die fünf Bürgermeister der Gemeinden Anthering, Berndorf, Nußdorf, Obertrum und Seeham, Ulrike Grabler, Bezirkshauptmann Reinhold Mayer und Reinhard Kreiseder von der Bezirksbauernkammer haben sich an einen Tisch gesetzt, um der Idee „Identität Haunsberg“ Leben einzuhauchen. „Unsere Vision vor drei Jahren war, Projekte zu finden, um die Landschaft und den Kulturraum so zu bewahren, wie sie sind. Wir wollen Bewusstsein für unseren Lebensraum schaffen.“
Vorbild für die Entwicklung „Identität Haunsberg“ ist die Region Bregenzerwald. Dorthin gab es auch eine Exkursion, um sich wertvolle Tipps für das Haunsberger Projekt zu holen. Gleich im ersten Jahr wurde eine Vulgo-Namenslandkarte herausgegeben. Rund 400 Bauern sind auf dieser Karte vermerkt. Die Herkunft der Namen hat ein Sprachforscher hergeleitet. „Es gibt überaus spannende Namensherkünfte. Wer schon lange am Haunsberg wohnt, kennt noch viele Hofnamen. Aber die mittlerweile große Zahl von Neubürgerinnen und Neubürgern kann damit nichts anfangen. Damit haben wir versucht, den ersten Schritt zu machen.“
Das nächste Projekt 2017 war dann dem Produktkatalog der Haunsberg-Bauern gewidmet. „Landwirtschaftlich steht der Haunsberg für Milchwirtschaft, aber durch den Produktkatalog sieht man erst die Fülle an Produkten, die unsere Landwirte anbieten. Es gibt Fleisch, Eier, Milch, Honig, Kräuter, Brot und sogar Pilze. Der Katalog war selbst für die Bauern untereinander ein Aha-Effekt.“

Tauschbörse mit Talenten
Ziel der Haunsberger ist es auch, ein stärkeres Netzwerk untereinander entstehen zu lassen. „Wir wollen nichts Neues erfinden, sondern auf Bestehendes zurückgreifen und sichtbar machen. Uns schwebt eine Art Tauschbörse vor, wo jeder seine Fähigkeiten und Talente einbringen kann. Und diese Kenntnisse sollen dann untereinander ausgetauscht werden.
Auf der Homepage www.haunsblock.com gibt es eine Rubrik über die Haunsberger. „Hier präsentieren wir unsere Mitglieder mit ihren Berufen und Angeboten, zeigen aber auch eine sehr persönliche Seite von ihnen. Diese Liste gilt es aber noch weiter auszubauen.“
Bereits mit Schulprojekten wird versucht, die Kinder mit der „Identität Haunsberg“ in Verbindung zu bringen. Insgesamt sieben Schautafeln zu Landwirtschaft, Geschichte der Region und Kleindenkmäler wurden mit den 3. Klassen der Volksschulen erstellt. Ein begeisterter und bekennender Haunsberger ist Thomas Niederreiter. Der Jusstudent sieht bei dem Projekt „Identität Haunsberg“ Ähnlichkeiten zur griechischen Polis. „Wir haben an die 15.000 Einwohner am Haunsberg und die Gemeinden sollen nicht Schlafdörfer für die Neubürgerinnen und Neubürger sein, sondern die Leute sollen sich treffen und am Gemeindeleben teilnehmen.“
Beitragen dazu sollen gemeindeübergreifende Veranstaltungen. So findet am 26. Oktober eine Sternwanderung statt, wo die Obfrau und Bürgermeisterin aus Nußdorf mit ihren Amtskollegen aus den jeweiligen Haunsberg-Gemeinden losmarschieren. Treffpunkt ist dann bei der Kaiserbuche. Bei einem kleinen Markt können die Produkte vom Haunsberg verkostet werden, spezielle Haunsberger präsentieren dort ihr Können und auch die Highland Games werden vorgestellt. „Dieser Markt ist fast so etwas wie eine Talenteschau der Haunsberger“, erklärt Thomas Niederreiter. Aber auch eine Facebook-Gruppe Haunsberg soll die Zusammengehörigkeit noch mehr stärken.

Die schönen Plätze am Haunsberg
Der Haunsberg hat viele Plätze, die erwandert werden wollen und zum Verweilen einladen. Die Linde am Thurn steht am höchsten Punkt der Gemeinde Berndorf. Im August 1912 wurde sie auf 687 Meter Höhe gesetzt. Die Linde ist auch das Logo von „Identität Haunsberg“. Und sie ist ebenso Logenplatz in der Natur, wo man die Schönheiten der Region eindrucksvoll bewundern und Energie für den Alltag tanken kann.
An einen Besuch von Kaiser Joseph II. am 28. Oktober 1779 erinnert die Kaiserbuche. Sie überdauerte 225 Jahre und wurde am 12. August 2004 von einem Sturm umgerissen. In der Landesgärtnerei wurden genetische Erben gezogen und im Mai 2005 wurde die neue Kaiserbuche von Baumpate und Kaisersohn Otto von Habsburg eingesetzt. Der neu gepflanzte Baum wurde Ende Februar 2008 durch einen Vandalenakt zerstört. Daraufhin wurde im Sommer 2009 wiederum eine neue Buche eingepflanzt, die nun eingezäunt ist.

Gruber-Denkmal-Berndorf

Denkmal in Berndorf für den Stille Nacht Komponisten

Vega-Sternwarte

Sternderl schau‘n in einer der modernsten Sternwarten Europas

Kaiser-Franz-Joseph-kapelle

Kaiser-Franz-Joseph-Jubiläumskapelle neben der Kaiserbuche

DSC_2176

Steinpyramide mit der Nachbildung der Kaiserkrone von Kaiser Joseph II

DSC_2158

Blick vom Haunsberg auf Obertrumer See, Mattsee und Grabensee

Hammerschmiede

Früher hallten hier die Schmiedehämmer – heute ist die „Hammerschmiede“ als Waldhotel eine Oase der Ruhe.

Fotos: Bernhard Robotka
Berndorf-Linde-am-Thurn

Ein Logenplatz der Natur: Die Linde am Thurn

Die-Gabe

Die Friedenskapelle in Seeham mit Blick auf den Obertrumer See

Fotos: Helmut Mühlbacher

Geschichtsträchtig ist auch die Pestsäule in Berndorf. Ebenso gibt es am Haunsberg ein Hochmoor mit vielen kleinen Tümpeln, wo eine Laufroute durchführt. Ein Naturjuwel ist der Wildkarwasserfall im Teufelsgraben. Durch die wildromantische Schlucht führt ein Natur- und Erlebnispfad zum Wasserfall und zu zwei Mühlen.
Als Weg der besonders schönen Ausblicke gilt der Haunsberg Panoramaweg. Er führt in 9,5 Kilometer Streckenlänge von der Kaiserbuche in Obertrum um den bewaldeten Gipfel des Haunsberges.

Mehr Haunsberg auf der Speisekarte
Ein großes Anliegen des Vereines „Identität Haunsberg“ ist es, dass die Gastronomie mehr Haunsberg-Produkte in die Speisekarte aufnimmt. So gibt es Kräutersalz-Streuer, die auf den Gasttischen stehen sollen. „Unser Wunsch ist aber, dass jeder Gastronomiebetrieb ein Haunsberg-Gericht hat. Wir haben so hochwertige landwirtschaftliche Produkte, die es sich verdient haben, dass sie sich in den Gasthausküchen wiederfinden“, denkt Ulrike Grabler auch an die kulinarische Seite des Haunsberges.

Alle Beiträge aus Reportage & Wissen


Facebook Icon