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Hochbegabt und doch kein Wunderkind

Valentin Nagl steht gemeinsam mit den Jedermann-Stars Cornelius Obonya und Brigitte Hobmeier auf der Bühne, spielte letztes Jahr beim Salzburger Adventsingen eine Kinder-Hauptrolle und schießt für seinen Fußballverein Tore am Fließband. Der zehnjährige Antheringer ist aber
vor allem eines: ein ganz normales Kind.

Valentin Nagl spielt gerade auf seinem Handy, als die FLACHGAUERIN zu Besuch kommt. Auch sonst unterscheidet er sich kaum von anderen Buben seines Alters: Das Zimmer ist ein bisschen unaufgeräumt, die Bettwäsche outet ihn als Fan des deutschen Fußball-Rekordmeisters FC Bayern.

Kaum etwas deutet allerdings darauf hin, dass Valentin bereits auf eine respektable Schauspielkarriere zurückblicken kann. Zumindest für einen Zehnjährigen. Der Schüler aus Anthering hat heuer im Sommer bereits zum dritten Mal an der Jedermann-Aufführung auf dem altehrwürdigen Salzburger Domplatz mitgewirkt. Obwohl ein Großteil der 14 Aufführungen ausverkauft war und er zumeist vor gut 2.500 Zuschauern auf der Bühne stand, hielt sich sein Lampenfieber in Grenzen. „Beim Jedermann spiele ich eines der Schuldknechtkinder. Das ist eine kleinere Rolle, da bin ich eigentlich nicht nervös.“

Die große Hitze, die in der ersten Augusthälfte ganz Salzburg ins Schwitzen brachte, war da schon eher ein Problem. Bei einer Vorstellung seien auf der Bühne unglaubliche 58 Grad gemessen worden. „Das war schon sehr anstrengend“, sagt  Valentin, der seine Jedermann-Auftritte ansonsten so richtig genossen hat: „Ich stehe einfach wahnsinnig gerne auf der Bühne, das taugt mir.“

Der junge Antheringer kann sich vorstellen, diese Leidenschaft eines Tages zum Beruf zu machen. Dabei denkt er allerdings weniger an die Bretter, die die Welt bedeuten, als an Hauptrollen in großen Kinofilmen. Am liebsten natürlich in Hollywood-Blockbustern, schließlich heißt Valentins Lieblingsschauspieler nicht umsonst George Clooney. Mutter Waltraud Nagl kommentiert den Berufswunsch ihres Sprösslings eher gelassen: „Das wird sich in den nächsten Jahren noch oft ändern.“

An Selbstvertrauen mangelt es Valli, wie ihn seine Freunde nennen, jedenfalls nicht. Selbst die Tatsache, dass er sich mit Festspielstars wie Cornelius Obonya, Brigitte Hobmeier oder Peter Lohmeyer die Bühne teilt, lässt den Nachwuchsschauspieler nicht in Ehrfurcht erstarren. Die Zusammenarbeit mit den prominenten Kollegen funktioniert erstaunlich unproblematisch. „Angefangen vom Regisseur bis zum Ensemble sind alle wahnsinnig nett zu ihm“, bestätigt Waltraud Nagl. Zu Jedermann-Darsteller Obonya hat die Familie auch privat Kontakt. „Connys Sohn Attila ist ein bisschen jünger als ich und besucht uns manchmal in Anthering“, erzählt Valentin.

Zu seiner Rolle im Klassiker von Hugo von Hofmannsthal kam der Zehnjährige eher zufällig. „Einer unserer Nachbarn ist ein Freund von Robert Kainar vom Ensemble 013. Er hat erfahren, dass für den Jedermann ein Kind gesucht wird, das ein Blechblasinstrument spielen kann, und meinen Bruder Simon gefragt. Ich bin zum Casting einfach mitgegangen und wurde auch gleich genommen.“ Dieses Casting, bei dem der junge Antheringer vorsingen und vorspielen musste, sei „nicht besonders schwierig gewesen“.

Begonnen hat Valentins Schauspielkarriere aber schon früher. Seit 2012 spielt er beim Salzburger Adventsingen, das jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit im Großen Festspielhaus über die Bühne geht, eines der Hirtenkinder. „Er ist ein bisschen mit seinem Bruder Simon, der acht Jahre Hirtenkind war, in diese Rolle hineingewachsen. Valentin ist oft zu den Singproben mitgekommen und wurde eines Tages gefragt, ob er nicht auch mitspielen möchte. Bei seinem ersten Auftritt war er sieben Jahre alt“, erzählt Mutter Waltraud Nagl. 

Die Schauspielerei ist aber nur eines der Talente des vielseitig Begabten. Valentin spielt seit seinem vierten Lebensjahr Klavier und erhält am Musikum Trompeten- und Klavierunterricht. Beim Wettbewerb „Prima la Musica“ durfte er sich bereits zwei Mal über einen ersten Platz mit Auszeichnung freuen. „Die Musik ist meiner Ansicht nach eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung und eine Art Allgemeinbildung, die in vielen Schulen zu kurz kommt. Das heißt nicht, dass er unbedingt ein Spitzenpianist werden muss“, meint Waltraud Nagl, die selbst am Musikum Gesang und Querflöte unterrichtet.

Sie hört auch die Bezeichnung Wunderkind gar nicht gerne. „Valentin braucht Beschäftigung und hat viele Interessen. Wunderkinder sind in gewissen Dingen hoch begabt, haben aber oft auch Mankos speziell im sozialen Bereich. Das trifft auf ihn überhaupt nicht zu.“

Der Zehnjährige besucht seit dem heurigen Schuljahr das Privatgymnasium der Herz-Jesu-Missionare in Salzburg-Liefering. In der Freizeit trifft er sich am liebsten mit seinen Freunden oder geht seiner zweiten großen Leidenschaft neben der Schauspielerei nach: dem Fußball.

Valentin geht bereits seit fünf Jahren für den SV Anthering auf Torjagd, und das durchaus mit Erfolg. Dem Mittelstürmer gelang schon mehrmals das Kunststück, in einem Turnier mehr als zehn Tore zu schießen. „Einmal habe ich sogar 18 Mal getroffen, das war wirklich cool“, sagt der Goalgetter, der sich auch gerne an einen 2:1-Erfolg seiner Mannschaft über die traditionsreiche Salzburger Austria erinnert. 

Fragt man ihn nach seinen Lieblingsspielern, sind für Valentin nur die Besten gut genug: der für Real Madrid spielende Kolumbianer James Rodriguez, sein Klubkollege Cristiano Ronaldo, Lionel Messi, den viele für den besten Kicker aller Zeiten halten, oder der deutsche Nationaltorhüter Manuel Neuer. Letzterer vor allem deshalb, „weil er am gleichen Tag Geburtstag hat wie ich“.

Der Lieblingsverein des großen Fußballfans ist übrigens nicht Red Bull Salzburg, sondern der mit Stars gespickte spanische Spitzenklub FC Barcelona. „Für mich wäre es ein Traum, einmal dort zu spielen“, meint Valentin. Hollywood-Schauspieler oder Fußballprofi? Zwischen diesen beiden Traumberufen kann sich Valentin nicht entscheiden. Wenn es nach ihm geht, muss er das auch gar nicht. „Er hat einmal gesagt, dass er zuerst Fußballer wird und sich dann, wenn die Knie kaputt sind, auf die Schauspielerei verlegt“, erzählt Mutter Waltraud Nagl schmunzelnd. Ob sich dieser Plan verwirklichen lässt, wird die Zukunft zeigen. Eines scheint aber jetzt schon sicher: Ein junger Mann, der mit solchen Talenten gesegnet ist, wird seinen Weg machen. Man darf gespannt sein, wo er ihn hinführt.

Helmut Millinger

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