Ich bin nicht der Mundl

Mundl und Frau

Ich bin nicht der Mundl

Er hat als Edmund Sackbauer in der Serie „Ein echter Wiener geht nicht unter“ Fernsehgeschichte geschrieben. DIE FLACHGAUERIN besuchte Karl Merkatz in seiner Wahlheimat Irrsdorf bei Straßwalchen.

Der durchschnittliche Österreicher geht mit 61 Jahren in Pension. Sie haben im November Ihren 85. Geburtstag gefeiert und sind noch immer aktiv. Haben Sie nie daran gedacht, sich zur Ruhe zu setzen?

Ja, aber erst, wenn die Ruhe auch wirklich kommt. Ich meine damit die letzte Ruhe. Dann werde ich wohl aufhören müssen, weil es nicht mehr geht. Bis es soweit ist, möchte ich aber etwas tun, denn mein Temperament ist nicht so, dass ich mich einfach hinsetze und nichts mehr mache.

Wie schaffen Sie es, körperlich und geistig so fit zu bleiben?

Ich habe ja Zeit und schaue, dass ich in Bewegung bleibe. Heute war ich schon um neun Uhr im Fitnessstudio und habe Körperübungen gemacht. Gärtner bin ich keiner, auch wenn meine Frau sagt: Hilf mir doch wenigstens ein bisschen im Garten. Wenn etwas zu tun ist, gehe ich aber in meine Werkstatt und arbeite dort. Ich bin ja Tischler gewesen. Um elf Uhr mache ich dann eine Pause und gönne mir ein Fiaker-Viertel.

Was dürfen wir uns darunter vorstellen?

Ich habe einmal irgendwo gelesen, dass die Fiaker-Kutscher in der Biedermeierzeit immer ungefähr um elf Uhr ein Viertel Wein getrunken haben. Das habe ich mir auch angewöhnt: Um elf trinke ich gerne ein Fiaker-Viertel. Das Glaserl Wein und eine Zigarette gehören zum körperlichen Wohlbefinden.

Der Untertitel Ihres letzten Konofilms „Der Blunzenkönig“ lautet ja „Die Körndlfresser san ma wurscht!“ Ist das auch Ihre Einstellung?

Nein (lacht), wenn man eine Rolle wie diesen Blunzenkönig spielt, dann ist man diese Figur. In den Filmen spricht man halt Sätze, die vorgegeben sind. Obwohl ich sehr gerne Blutwurst esse, aber das nur nebenbei. Mir schmeckt zum Beispiel auch Kukuruz sehr gut und das ist ein Körndl. Außerdem kocht meine Frau oft asiatisch und da ist Reis das Wichtigste. Darauf freuen wir uns dann immer, weil meine werte Frau wirklich sehr gut kochen kann.

Sie sind über Umwege Schauspieler geworden. Ursprünglich haben Sie ja einen ganz anderen Beruf ausgeübt.

Ich wollte immer Schauspieler werden. Meine Eltern haben aber gesagt: Nein, das ist ein Hungerleiderberuf, du musst zuerst ein Handwerk erlernen. Deshalb bin ich 1946 in eine Tischlerlehre eingetreten, die ich drei Jahre später abgeschlossen habe. Danach war ich noch zwei Jahre Tischler in Wien. Diese Arbeit war im Prinzip sehr angenehm für mich, aber die Sehnsucht, Theater zu spielen, war dennoch immer da. Ich habe schon in meiner Jugend auf der Laienbühne der Pfadfinder mitgespielt.

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Man macht immer Fehler und wenn die Rolle gut ankommt, liegt das daran, dass das Publikum nicht weiß, welche Fehler man gemacht hat
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Durch das Theater haben Sie später auch Ihre Frau Martha kennengelernt?

Ja, nachdem ich in Zürich und am Salzburger Mozarteum Schauspielseminare besucht hatte, gelang es mir, ein Engagement in Heilbronn zu bekommen. Das war das erste Theater, an dem ich einen Vertrag hatte und gleichzeitig bescherte es mir auch einen Ehevertrag. Der hält jetzt schon seit 60 Jahren.

Am Anfang gab es natürlich Schwierigkeiten, das ist ja ganz klar. Wir haben uns aber so gut verstanden, dass wir gesagt haben, wir bleiben zusammen. Während meiner zweiten Spielzeit in Heilbronn haben wir dann geheiratet.

Sie haben mehr als 250 Film- und Fernsehrollen gespielt. Auf welche sind Sie heute noch stolz?

Stolz bin ich auf gar keine, weil man mit einer Rolle nie fertig ist. Man macht immer Fehler und wenn die Rolle gut ankommt, liegt das daran, dass das Publikum nicht weiß, welche Fehler man gemacht hat. Deshalb kenne ich den Begriff Stolz nicht, das ist etwas, das ich ablehne.

Sie werden bis heute vor allem mit zwei Rollen identifiziert: mit jener des Edmund „Mundl“ Sackbauer in der Fernsehserie „Ein echter Wiener geht nicht unter“ und mit jener des Bockerer in den gleichnamigen vier Kinofilmen. Stört Sie das?

Es stört mich insofern, als ich nicht verstehen kann, dass die Popularität bis heute angehalten hat. Das ist mir unbegreiflich, denn der Mundl ist für mich eine Arbeit gewesen wie jede andere. Es geht immer darum, in die Figur einzudringen und sie zu spielen. In diesem Fall war das Drehbuch von Ernst Hinterberger aber so stark und ich habe mich auch mit Regisseur Reinhard Schwabenitzky sehr gut verstanden, sodass wir von 1975 bis 1979 insgesamt 24 Folgen „Echter Wiener“ gedreht haben. Das, was vom ORF gesendet wurde, hat jedes Mal so großen Anklang gefunden, dass die immer gesagt haben: Machen wir doch weiter. Nach diesen vier Jahren habe ich aber aufgehört.

Der Mundl ist jähzornig und hat Alkoholprobleme. Wie viel von Karl Merkatz steckt in dieser Figur?

Alkoholprobleme hab ich auch, Sie sehen ja, ich trinke um elf schon ein mundl5Vierterl (lacht). Nein, Spaß beiseite, das ist nur eine Rolle. Ich bin nicht dieser Mundl. Mein Wesen ist ein ganz anderes als das Wesen dieser Figur und ich bin auch kein Bockerer. Ich kenne die Zeit, in der der erste Film spielt, weil ich mit dem Krieg und dem Nationalsozialismus aufgewachsen bin. Deshalb konnte ich mich in die Gefühle des Bockerer versetzen. Ich bin auch sehr froh, dass ich diese Rolle bekommen habe. Das Theaterstück wurde im Wiener Volkstheater aufgeführt. Dort wurde bei der Premiere gegen das Stück demonstriert, weil das Thema natürlich nicht einfach war. Dennoch ist es so gut angekommen, dass der Regisseur Franz Antel gesagt hat: Da muss man einen Film machen. Schlussendlich haben wir dann gemeinsam vier Bockerer gedreht.

Sie sind gebürtiger Niederösterreicher, leben aber seit Jahrzehnten in einem 350 Jahre alten Haus in Irrsdorf bei Straßwalchen. Was gefällt Ihnen hier besonders?

Dass es so ein altes Haus ist, dass es alleine steht und wir uns von Anfang an wohlgefühlt haben. Nachdem wir das Haus gekauft hatten, gab es natürlich sehr viel zu tun, aber das fiel mir nicht schwer. Da ist wieder der Tischler in mir zum Vorschein gekommen. Bis dahin habe ich sehr lange nicht mehr an diese Arbeit gedacht. Ich habe mir eine Werkstatt eingerichtet und sehr viel getischlert, die Bänke und viele andere Sachen, die Sie hier im Haus sehen. So konnte ich alles, was mit Holz zu tun hatte, machen und habe bis heute große Freude daran.

Fühlen Sie sich mittlerweile als Irrsdorfer?

Ja, wir sind Irrsdorfer. Wir waren in den 1970er-Jahren so ziemlich die ersten, die hierher gezogen sind, und wurden von der Dorfgemeinschaft voll angenommen. Wir kennen alle, sind mit allen per du und sind bei jedem Fest mit dabei. Hier sind wir glücklich.

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