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Klassisch erfolgreich

Sie gelten als Ausnahmetalente: Die drei jungen Seekirchner Sarah, Florian und Lukas Moser haben sich ganz der klassischen Musik verschrieben. Wir haben das Geschwister-Trio im elterlichen Haus besucht.
Ein Artikel von Birgit Gehrke
Fotos: www.kaindl-hoenig.com

Fotos: www.kaindl-hoenig.com

Einen Fernseher sucht man im Haus der Familie Moser vergeblich. Im Wohnzimmer des gemütlichen Einfamilienhauses in der Nähe des Wallersees steht statt dem TV-Gerät ein schwarzer Flügel. Von der braunen Ledercouch aus haben Besucher den besten Blick auf ein kleines Privatkonzert der Geschwister Sarah, Florian und Lukas. Die drei jungen Seekirchner gelten als große Talente in Sachen Klassik. Mit der Musik begonnen haben alle bereits im Volksschulalter. Als Erster startete der heute 25-jährige Florian seine klangvolle Karriere. „Meine Mama ist selbst Gitarrenlehrerin, mein Vater bevorzugt eher Pop und Rock. Mit Schuleintritt wurde ich gefragt, was ich spielen möchte und entschied mich für die Geige. Meine Wahl war aber eher ein Zufall“, erinnert sich Florian. Eine Entscheidung, die sich als richtig herausstellen sollte – bis heute ist die Violine sein Instrument. Gerade war er damit für knapp fünf Monate auf einem Kreuzfahrtschiff unterwegs – natürlich als Musiker, nicht als Passagier.
Wenige Jahre später entschied sich Lukas, Klavier zu lernen. „Natürlich wollte ich auch ein Instrument spielen können, wie mein großer Bruder. Und ich wollte weg von der Blockflöte. Das Klavier war für mich einfach ein kräftiges, lautes Instrument – das wollte ich lernen“, erzählt der 22-Jährige.

Von Geschwistern zum Klassik-Trio
Als es auch bei Sarah soweit war, entschied sich die jüngste in der Geschwisterrunde für das Violoncello. „Ich wollte etwas anderes spielen als meine Brüder. Erst habe ich es mit Gitarre probiert, das hat mir aber nicht so gut gefallen. Möglicherweise haben mich meine Eltern dann in Richtung Cello gelenkt, da sie meinten, zum möglichen Trio würde dieses Instrument ganz gut passen.“ Womit sie recht behielten – auch die heute 17-Jährige ist ihrer frühen Instrumentenwahl treu geblieben und bildet nun gemeinsam mit Lukas und Florian ein erfolgreiches Klassik-Trio. Ungewöhnlich sei diese Musikrichtung für ein junges Mädchen nicht, findet Sarah: „Ich besuche das Musische Gymnasium in Salzburg, bei uns in der Klasse hört man sich in der Pause schon mal Symphonien an. Die klassische Musik ist so vielseitig. Je länger man sich damit beschäftigt, desto cooler werden die Stücke.“

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Lukas

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Sarah

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Florian

Cooler Schubert
Auch Lukas ist seine Begeisterung für die Musikrichtung anzumerken. „Generell mag ich zum Beispiel Schubert gerne. Ist auch cooler als Liszt und für das Klavier nicht so schwer zu spielen.“ Eine Aussage, die seine Geschwister zum Lachen bringt. Der freundliche, respektvolle Umgang miteinander ist für die drei selbstverständlich. Und trotzdem – in jeder Familie kracht es hin und wieder und die Zusammenarbeit ist auch manchmal eine Herausforderung. „Ich freue mich aber, dass wir diese Chance als Geschwister haben. Andere Musiker haben so etwas nicht“, erzählt Lukas und Florian ergänzt grinsend: „Ich finde es auch sehr nett. Man kennt sich einfach so gut. Und mögliche Streitigkeiten, oder wer jetzt den letzten Keks geklaut hat, werden beim Musizieren einfach ausgeblendet. Außerdem brauchen wir nur ein Drittel der Freikarten für unsere Familie.“
Ein wesentliches „Einrichtungstool“ im Hause Moser sind dicke Wände. „Wir haben hier im Haus ziemlich viele schallgeschützte Räume. Wenn wir proben, sitzt unser Vater mit zusätzlichen Ohrenschützern im Hausbüro – es wird doch ziemlich laut. Außerdem ist ihm als Rocker die Klassik immer noch leicht suspekt. Er trommelt dann manchmal mit dem Cajon dazu, hin und wieder nervt das“, schmunzelt Lukas. Er und Florian haben eine gemeinsame WG in Salzburg, Sarah wohnt noch zu Hause. Am liebsten ist sie in ihrem eigenen, gemütlichen Zimmer – umgeben von vielen Büchern. Als Proberaum wurde für sie nach dem Auszug des Bruders Lukas Zimmer umfunktioniert.

Bilder vom Vater
Kunst und Kultur ist überall im Haus zu spüren – nicht zuletzt dank der vielen, farbenfrohen Bilder, die an den Wänden hängen. Gemalt wurden diese vom Vater, Hans Christian Moser. „Auch bei uns in der WG hängen zwei seiner Gemälde“, so Florian.
Was bedeutet das für die drei eigentlich, ein Zuhause? „Es ist ein Ort, wo man sich selbst sein kann“, findet Sarah, während Lukas zu Hause eine stressfreie Zone vorfindet. „Ich bin oft bei meinen Eltern, weil hier der Flügel steht. Wenn es dann noch einen guten Kaffee gibt, bin ich schon zufrieden.“ Auch Florian schätzt nach monatelangen Auslandsaufenthalten „die mitteleuropäische Art zu leben“.

Die Jüngste als „Rampensau“
Trotz der gemeinsamen Liebe zur Musik – gibt es auch Unterschiede bei den Geschwistern? „Sarah ist bei den Konzerten die Rampensau, und Flo ist von der Frisur her der coolste“, lacht Lukas. Die musikalische Karriere der drei geht auf jeden Fall weiter, für die nächsten Monate sind mehrere Auftritte im Salzburger Raum geplant, im Frühling 2018 steht das Tripelkonzert von Ludwig van Beethoven mit der Philharmonie Salzburg auf dem Plan.
Etwas schwierig ist es, gemeinsame Proben zu koordinieren – die drei Moser-Kinder sind allesamt sehr beschäftigt. Leichter ist es da, wenn die Mutter das sonntägliche Lieblingsessen von Sarah, Lukas und Florian auftischt: Schweinsmedaillons mit Gemüse aus dem eigenen Garten – da finden sich alle sehr schnell im elterlichen Haus in Seekirchen ein. Und die Instrumente werden gegen Gabel und Messer ausgetauscht.

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