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Fesch und praktisch – Kombis

Ein Kombinationsfahrzeug, kurz Kombi genannt, soll, wie schon die Bezeichnung sagt, die Eigenschaften mehrerer Fahrzeugtypen vereinen, nämlich Fahreigenschaften und Form ähnlich einer Limousine und das Platzangebot eines Liefer- bzw. Nutzfahrzeugs. Dass die Kombis heute dem Zeitgeist angepasst auch elegant und sogar luxuriös sein dürfen und eher zu Freizeitmobilen mit entsprechender Verwendung geworden sind, hat die Marktchancen noch erhöht.

Wenn der Zeitgeist zuschlägt und die Vernunft doch noch ein wenig Raum hat, wenn man bequem reisen und auch Platz für die Familie oder die Freizeitutensilien will und vielleicht auch noch beruflich Praktisches braucht – dann fällt die Wahl beim Autokauf oft auf einen Kombi. Und in dieser Fahrzeug-Kategorie ist das Angebot so groß wie in kaum einer anderen. In fast jeder Klasse, vom Kleinwagen über die Kompakten und die Mittelklasse bis zur Oberklasse, haben alle Anbieter meist auch eine Kombiversion ihrer gängigsten Modelle anzubieten.

Klein, kompakt, mittelgroß …

Die Kombis im Segment der Kleinwagen sind vielleicht nicht allzu dicht gesät, aber dafür umso zeitgeistiger und gegensätzlich im Anspruch. Beispiele? Der Mini-Clubman ist quasi der Prototyp eines Zeitgeist-Kombiflitzers, dessen Raumangebot zwar besser ist als im „normalen“ Mini, das aber von üppig immer noch sehr weit entfernt ist. Das Gegenteil ist der Fiat 500L, der zwar den Namen von der Kult-Kugel aus Italien übernommen hat, jedoch deutlich mehr Platz hat als der kleine Bruder. Hier steht das Praktische im Vordergrund. Der Seat Ibiza ST und der Skoda Fabia sind wahrscheinlich auch eher für die praktisch veranlagten Käufer gedacht.

Eine Klasse höher, auf dem Kampfterrain der  Kompakten, ist die Konkurrenz wahrscheinlich am härtesten. Jeder größere Hersteller hat hier ein Kombiderivat des jeweiligen Bestsellers im Programm, egal ob VW Golf, Opel Astra, Hyundai i30, Peugeot 308, Renault Mégane, Honda Civic, Seat Leon, aber auch Audi, Toyota und Ford. Nur die Premiumhersteller Mercedes und BMW halten sich vornehm zurück – sie geben lieber in der Mittel- und Oberklasse den Ton an. In beiden Segmenten und auch dazwischen gibt´s zudem einige Angebote, etwa von Skoda, der sich zum Hechten im Karpfenteich der Kombis entwickelt haben: den Octavia in der Mittelklasse, den Rapid irgendwo mitten drin und schließlich das Raumwunder Superb, der in der Oberklasse vor allem durch das Preis-Leistungsverhältnis für Furore sorgt.

… größer, stärker und eleganter

Heiß geht´s auch im Business-Bereich zu, wo der VW Passat als Marktführer sich gerade anschickt, auch im darüber liegenden Segment wildern zu wollen, der sich aber auch gegen starke Mitbewerber aus Fernost wehren muss, etwa gegen den attraktiven Mazda 6 im Kombinationsformat oder den Hyundai i40, aber auch den elegant gestylten Peugeot 508 SW oder den Ford Mondeo, der ganz neu und technisch aufgerüstet beim Händler steht. Die angepeilten Konkurrenten Mercedes C-Klasse und BMW 3er dagegen spielen immer noch in einer Anspruchsklasse, wo allenfalls Jaguar hineinpasst, wenn es denn ein vergleichbares Angebot gäbe wie eine Stufe höher.

In der Oberklasse duellieren sich vor allem die Deutschen: Audi, BMW und Mercedes geben mit dem A6, dem 5er Touring und der E-Klasse T den Ton an. Und hier klopft nun auch Jaguar an, und zwar mit einem formschönen Kombi, der jedenfalls hinsichtlich Eleganz schon mehr als aufgeschlossen hat. In diesem Marktbereich vereinen sich Luxus, gehobene Ansprüche und praktische Verwendungsmöglichkeit wohl am besten. 

Die Grenzen zwischen den Segmenten verschwimmen allerdings ziemlich stark, wenn man auch das Motorenangebot einbezieht. Da die Käufer oftmals, egal ob aus Bescheidenheit oder um mehr Spaß zu haben, auch gerne ein paar zusätzliche PS unter der Kombihaube haben wollen, ist es bei vielen Modellen schon üblich, auch eine breite Motorenpalette zur Wahl zu stellen, meist durchzugsstarke und sparsame Diesel und mitunter sogar rasante Hochleistungsaggregate. Wobei auch hier die Premiumhersteller führend sind. So ein Mercedes C 63 AMG mit satten 487 PS kann als Kombi mehr als viele Sportler. Das ist zwar eine absolute Minderheiten-Nische, aber sie gibt ihren Fahrern jenen Kick, der einem Kombi ansonsten eher nicht zugeordnet wird.

Was natürlich verstärkt in der Oberklasse gilt, wo sich die Wunscherfüllung eines exklusiven Käuferkreises bis zum Extremen steigern lässt. Der verkappte Supersportler Audi RS6 protzt mit 560 PS, der T-Klasse Mercedes E 63 AMG S bringt hammerartige 584 Pferde zu wiehern und im Jaguar XFR-S Sportbrake machen 550 PS Dampf ohne Ende. Da scheint der BMW 550i Touring mit 449 munteren Pferdchen fast ein bisserl „schwächlich“. Zumindest optisch sticht in diesem edlen Kreis der Mercedes CLS Shooting Brake heraus, der zwar wie ein Kombi mit einem relativ steilen Heckabschluss aufwartet, aber wohl als Kombi-Coupé zu bezeichnen ist.    

Qual der Wahl

Die Frage nach dem „Ideal-Kombi“ lässt sich, egal in welcher Fahrzeugkategorie, kaum beantworten, haben doch alle angebotenen Autos ihre Besonderheiten. Der Zeitgeschmack ist eine Einflussgröße, die ebenso stark wirkt wie der wirkliche Verwendungszweck, aber auch mehr oder weniger praktische Details wie Zurrösen, Fangnetze, Heckklappenautomatik und nicht zuletzt die Stauraumgröße können entscheidend sein. Dass in den Zusatzausstattungs-Listen jede Menge Features für die Aufrüstung angeboten werden, ist zwar löblich, aber meist auch teuer. Deshalb sollte schon die Grundausstattung möglichst reichhaltig sein. Der edle Velourteppich im Heckabteil ist für den Handwerker sicher eher unpraktisch aber ein Detail, das der Freizeitsportler schätzen könnte, der aber die Hartplastiklandschaft des Armaturenträgers gerne durch edles Holzfurnier ersetzt sieht. Für die Familien ist auch das Platzangebot auf der Rückbank ein Kriterium, für den Heimwerker dagegen die Ladefläche und eine niedrige Ladekante. Dieses und ein niedriger Verbrauch, also die Motorisierung sind dagegen für Viel- und Berufsfahrer wesentlich. Und nicht zuletzt spielt logischerweise der Preis eine gewichtige Rolle: Hier gilt grob gesagt die Regel: „je zeitgeistiger und größer, desto teurer“, von den PS-Zahlen abgesehen. Grundsätzlich aber kann festgestellt werden, dass Kombis, egal welcher Größe und unabhängig von sonstigen Merkmalen die wahrscheinlich vernünftigste Form eines Automobils sind, weil sie sowohl fesch wie auch praktisch sind.

René Herndl 

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