kurz

Momentaufnahme

Menschen für ihre Region

Bierbrauer

In den frühen 1990er-Jahren konnte sich Reinhold Barta nicht vorstellen, jemals Bierbrauer zu werden. Der gebürtige Wiener studierte damals an der Universität für Bodenkultur Lebensmittel- und Biotechnologie, mit dem beliebten Gerstensaft hatte er nicht viel am Hut. „Ich bin erst im Lauf der Zeit vom Wein- zum Biertrinker geworden. Im Weinviertel, wo ich aufgewachsen bin, war der Wein billig und gut, in Wien dagegen teuer und grauslich“, erinnert sich der Besitzer der Brauerei Gusswerk in Hof. Um sich sein Studium zu finanzieren, arbeitet Barta als Lkw-Fahrer für die Ottakringer Brauerei. Seine ersten Versuche als Bierbrauer finden ebenfalls zu dieser Zeit statt. „Am Gangklo meiner Studentenwohnung ist im Winter ein 80 Liter-Gärbottich gestanden. Mir hat es Spaß gemacht, bei diversen Festen die Studenten mit selbst gebrautem Bier zu versorgen.“ Als Barta am Ende seines Studiums angeboten wird, für eine Brauerei die Diplomarbeit zu schreiben, ist sein weiterer Berufsweg vorgezeichnet. Er arbeitet im Ottakringer-Labor in Wien und braut, lange bevor der Craft Beer-Boom in Österreich angekommen ist, in einer St. Pöltener Gasthausbrauerei traditionelle Ales und Stouts. In den folgenden Jahren arbeitet Barta für die Salzburger Stieglbrauerei und lässt sich für die Brauwelt spezielle Bierkreationen einfallen. Ende 2006 wagt er dann den Sprung in die Selbstständigkeit und eröffnet mit Hilfe einiger Freunde das Brauhaus Gusswerk. Österreichs erste Bio-Brauerei musste schwierige Anfangsjahre überstehen. „Ich stand vor einem Schuldenberg und habe in den ersten sechs, sieben Jahren keinen Cent aus der Firma genommen. Erst als die Jahresproduktion die 3000 Hektoliter-Marke überschritten hat, ist uns die Wende gelungen“, sagt Eigentümer Reinhold Barta. Heuer wird das Brauhaus Gusswerk voraussichtlich mehr als 4000 Hektoliter Bier produzieren, das aktuelle Sortiment umfasst 18 Biersorten.

Grasskiläuferin

Eine Skirennläuferin, die reihenweise WM-Medaillen und Weltcupsiege einfährt, kann sich in Österreich kaum vor den Fans und dem Medienrummel retten. Bei Jacqueline Gerlach liegt der Fall anders. Obwohl die 24-Jährige heuer den Slalomweltcup gewann und im Gesamtweltcup Dritte wurde, ist sie selbst in Salzburg weitgehend unbekannt. „Bei uns ist Grasskifahren eine Randsportart, die leider nicht so viele Leute interessiert. Ski Alpin ist in Österreich unangefochten die Nummer eins, im Iran oder in Japan werden wir dagegen gefeiert wie alpine Weltmeister“, sagt die Sportlerin aus Hintersee.  Als Kind fährt Gerlach auch auf Schnee Skirennen. Als aber die Doppelbelastung zu groß wird, entscheidet sie sich für das Grasskifahren. Ihre ersten Wettkämpfe  bestreitet sie mit 16. „Die Technik ist ziemlich gleich. Beim Grasskilauf kann man aber während des Rennens nicht bremsen. Da gibt es nur eines: Vollgas bis ins Ziel!“, erklärt die Athletin, die zu Beginn ihrer Karriere gleich sechs Junioren-Weltmeistertitel gewinnt.  Nach einer dreijährigen berufsbedingten Pause kehrte Jacqueline Gerlach vor zwei Jahren wieder in den Weltcupzirkus zurück. Sie startet für den SV Kaprun, lebt und arbeitet aber mittlerweile in Wien. Trainiert wird im Burgenland. „Dort gibt es nur wenig Schnee und wir können fast das ganze Jahr über auf Gras fahren.“ In der heurigen Sasion holt sich Gerlach bei der Grasski-WM in Italien die Bronzemedaille im Slalom und drei weitere Top Ten-Platzierungen. Das Ende ihrer Karriere ist derzeit noch kein Thema. „Es ist geplant, dass auch in Schweden und den USA Wettkämpfe stattfinden. Ich würde gerne einmal für ein Weltcuprennen nach Amerika fliegen.“ Das große Ziel der Hinterseerin ist aber die Heim-WM, die 2017 in Kaprun stattfinden wird. „Wenn es beruflich möglich ist und keine Verletzung dazwischen kommt, fahre ich auf jeden Fall noch so lange“, meint die 24-Jährige.

Whisky-Experte

Edwin Heider ist ein Spätberufener in Sachen Whisky. „Ich war nie ein Spirituosen- oder gar Whisky-Fan“, erklärt der 49-Jährige Faistenauer. „Whisky kannte ich nur als Mixgetränk mit Cola und das hat mir sowieso nicht geschmeckt.“ Das ändert sich erst, als der Diplom-Sommelier 1996/97 in einem Golfhotel in Schottland arbeitet. „Mich interessiert weder Golfspielen noch Lachsfischen. Deshalb habe ich im Lauf der Zeit gemeinsam mit einem deutschen Kollegen 140 Single Malt Whiskys verkostet.“ Heider spricht mit den Leitern schottischer Destillerien und ist immer mehr fasziniert von der großen, weiten Welt der Single Malts. Bei seiner Rückkehr aus Schottland hat er einige Flaschen des hochprozentigen Getränks im Gepäck und lässt Freunde und Bekannte davon kosten. „Ich bin dann immer öfter gefragt worden: Wo bekomme ich solche Whiskys?“, erinnert sich Heider.

Weil es Ende der 1990er-Jahre in Österreich kaum welche gibt, entschließt er sich, selbst in den Whisky-Handel einzusteigen. Heider gründet die Firma Caledonia und ist seither als Importeur und Händler tätig. Sein Sortiment umfasst rund 120 verschiedene Single Malts, die an Kunden in ganz Österreich verschickt werden. Edwin Heider veranstaltet in seinem Haus in Faistenau regelmäßig schottische Abende, bei denen das Nationalgericht Haggis gereicht wird und ausgiebig Single Malts verkostet werden. „Es ist unglaublich, wie facettenreich ein einzelnes Produkt sein kann“, schwärmt der Experte. „Destillerien, die nur 100 Meter voneinander entfernt sind, können aus dem gleichen Grundprodukt, nämlich reinem Gerstenmalz, völlig verschiedene Whiskys herstellen.“  Ob das Endprodukt mild, rauchig oder gar torfig schmecke, hänge wesentlich von der Dauer und Art der Lagerung ab. „Je nachdem, ob man spanische Sherryfässer oder Bourbonfässer aus den USA verwendet, ändert sich natürlich der Geschmack“, erklärt Heider.

Dudelsackspieler

Wenn jemand rasch ein Instrument lernen möchte, sollte er sich nicht unbedingt für den Dudelsack entscheiden. Dem Vernehmen nach dauert es nämlich 21 Jahre bis man ihn wirklich beherrscht. Stefan Janauschek ließ sich davon allerdings nicht abschrecken. Er war einer der ersten Dudelsackspieler in Salzburg und beschäftigt sich seit mittlerweile 13 Jahren intensiv mit dem traditionellen schottischen Instrument. „Mir hat die Musik immer schon gefallen. Bei einem Pfadfinder-Sommerlager zum Thema Schottland habe ich mir dann gedacht, es wäre doch ein Spaß, selbst Dudelsack zu spielen“, erzählt der 37-Jährige, der mit seiner Familie in Wals lebt.  Janauschek zögert nicht lange und setzt seinen Plan in die Tat um. Er absolviert Kurse und lässt sich von Lehrern aus Schottland mit den Tücken des komplizierten Instruments vertraut machen. Mit einigen Gleichgesinnten gründet er die „Salzburg Rampant Lion Pipe Band“, eine schottische Marschband, die aus zehn Dudelsackspielern und drei Trommlern besteht und heuer beim Walser Dorffest einen großen Auftritt hatte. Stefan Janauschel ist von der schottischen Kultur und Lebensweise fasziniert. Bei seinen Besuchen habe er die Schotten als offene und freundliche Menschen kennengelernt. Ein unvergessliches Erlebnis war für Janauschek die Teilnahme am Pipefest in Edinburgh. „Dort haben 10.000 Dudelsackspieler aus der ganzen Welt gleichzeitig gespielt.“   Bei seinen Auftritten legt Janauschek großen Wert auf die passende Kleidung. Dazu gehört natürlich auch ein schottischer Kilt. Das Tragen des knielangen rockähnlichen Kleidungsstücks sei für ihn etwas ganz Normales. „Manchmal ist es schon ein bisschen anstrengend, wenn Leute kommen und fragen, ob sie unter den Rock schauen dürfen. Mit der Zeit lernt man aber auch damit umzugehen“, meint der Dudelsackspieler, der am Salzburger Landestheater als Bühnenmeister arbeitet.

Rettungssanitäterin

Auch im Flachgau haben immer mehr Vereine und Rettungsorganisationen Probleme, ehrenamtliche Mitstreiter zu finden. Dem Roten Kreuz in Mattsee geht es da schon besser. Hier wird der Dienstbetrieb zur Gänze von Freiwilligen aufrecht erhalten. Rund um die Uhr und an 365 Tagen im Jahr. Unterstützt werden die rund 90 ehrenamtlichen Sanitäter von ein bis zwei Zivildienern. „Die Kameradschaft in den fünf Rettungszügen ist super. Wenn es darauf ankommt, ist einer für den anderen da“, erzählt Roswitha Kaar.
Die Lehrerin aus Henndorf meldet sich zwischen sechs und neun Mal pro Monat zum Rettungsdienst, der in der Regel 12 oder 24 Stunden dauert. „Grob geschätzt kommen so im Jahr etwa 800 bis 900 Dienststunden zusammen. Die Fortbildungen und Kurse sind da noch gar nicht dabei“, sagt Kaar. Sie ist nicht nur ausgebildete Notfallsanitäterin sondern auch Lehrbeauftragte für Erste Hilfe. In dieser Funktion bildet sie Kollegen aus und hält Erste-Hilfe-Kurse für die Bevölkerung ab.
Die 41-Jährige ist seit 2004 beim Roten Kreuz, an der ehrenamtlichen Tätigkeit hat sie vom ersten Tag an Gefallen gefunden. „Es ist ein gutes Gefühl, wenn man jemandem helfen kann. Die Leute geben einem auch sehr viel zurück“, meint Roswitha Kaar. Zudem gebe es die Möglichkeit, sinnvolle Ausbildungen zu absolvieren. „Das kann einen auch privat oder beruflich weiterbringen.“
Durch die Arbeit als Notfallsanitäterin hat Kaar gelernt, ihre eigenen Probleme richtig einzuschätzen. „Wenn man sieht, wie schlecht es manchen Leuten geht, wird man zufriedener mit dem, was man hat und regt sich über gewisse Sachen nicht mehr so auf.“ Belastend seien vor allem schwere Unfälle mit Verletzten oder gar Toten und medizinische Notfälle. „Mir helfen dann die Gespräche mit Kollegen, die beim Einsatz mit dabei waren“, sagt Kaar.

Brauchtumshüterin

Seit fast zehn Jahren ist Margit Schneeweis Ansprechpartnerin für knapp 80 Flachgauer Vereine mit insgesamt rund 4000 Mitgliedern. Die Straßwalchenerin wurde 2006 Obfrau des Verbandes der Flachgauer Heimatvereine. „Ich war damals eigentlich eine totale Quereinsteigerin und bin kurzfristig eingesprungen“, erinnert sich Schneeweis. Sie kümmert sich mit viel Engagement um die Anliegen aller Brauchtumsvereine im Bezirk. Die Bandbreite reicht von Krampus- und Theatergruppen über Volksliedchöre und Schnalzer bis zu Jagdhornbläsern und Trachtenvereinen. „Ich informiere über Förderungen, führe Ehrungen durch und helfe bei der Organisation von Festen sowie anderen Aktivitäten“, umreißt Schneeweis ihr umfangreiches Aufgabengebiet. Die gebürtige Innviertlerin ist die erste Frau an der Spitze des 1966 gegründeten Verbandes der Flachgauer Heimatvereine. Ihre Liebe zum traditionellen Brauchtum stellt Margit Schneeweis auch bei der Goldhaubengruppe Straßwalchen unter Beweis. Sie gehört dem Verein bereits seit 1979 an und war 14 Jahre lang Obfrau. „Brauchtum bedeutet für mich Heimat, Wurzeln und Gemeinschaft. Ich erlebe immer wieder, wie Menschen, die einen schweren Schicksalsschlag bewältigen müssen, in den Vereinen aufgefangen werden“, sagt Schneeweis.  In den Flachgauer Heimatvereinen werde großartige Arbeit geleistet, die aber nicht immer die entsprechende Anerkennung finde. „Es gibt so viele Funktionäre und Mitglieder, die sehr viel leisten, aber dennoch nicht im Vordergrund stehen. Mir ist es ein ganz großes Anliegen, dass deren Arbeit noch mehr geschätzt und honoriert wird“, betont Schneeweis. Die 64-Jährige möchte noch bis 2017 Obfrau der Flachgauer Heimatvereine bleiben. Dann werde es Zeit, das Amt in jüngere Hände zu legen.

Kulturbotschafter

Heinz Georg Tschapka hat sich schon immer sehr stark für Kunst und Kultur interessiert. „Dieses Interesse ist während meiner Schulzeit im Musischen Gymnasium in Salzburg geweckt worden“, erzählt der gebürtige Wiener, der als Kind mit seiner Familie nach Seeham übersiedelt ist. Heute hat Tschapka mehr denn je mit Kultur zu tun. Der gelernte Touristikkaufmann ist nicht nur seit 2012 für die Öffentlichkeitsarbeit der Seebühne Seeham zuständig, sondern gehört auch dem Vorstand jener Arbeitsgruppe der Gemeinde an, die die Weichen für das sommerliche Kulturfestival stellt. „Obwohl ich mittlerweile nicht mehr in Seeham sondern in Obertrum lebe, ist mir die Seebühne noch immer ein Herzensanliegen“, sagt Tschapka, der hauptberuflich als selbstständiger Kaufmann tätig ist.
Begonnen hat die berufliche Laufbahn des 54-Jährigen in der Tourismusbranche. Nach der Ausbildung zum Touristikkaufmann arbeitete Tschapka von 1986 bis 1990 als damals jüngster Tourismusdirektor Österreichs in Gmünd in Kärnten. „Dort habe ich gelernt, wie Marketing und Öffentlichkeitsarbeit funktionieren. Das hilft mir heute sehr viel.“
Die Arbeit für die Seebühne sei fast schon ein Ganzjahresjob. Ans Aufhören denkt Tschapka aber dennoch nicht. „Wenn man die Begeisterung bei Schauspielern und Gästen sieht, weiß man, warum man sich das antut. Außerdem ist es eine schöne Aufgabe, in so einem engagierten Team zu arbeiten.“
Dieses Team, zu dem auch das Tourismusbüro und die Seehamer Theatergruppe zählen, steht hinter dem Erfolg der Seebühne, die weit über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt geworden ist. Das Festival lockt jeden Sommer rund 9000 Besucher nach Seeham, die Theatervorstellungen sind fast immer so gut wie ausverkauft. „Wir sind ein wesentlicher Tourismusfaktor in der Region geworden“, sagt Heinz Georg Tschapka.

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