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Musik ist ihr Leben

Spätestens seit ihrem Auftritt beim Eurovision Song Contest in Wien kennt ganz Österreich Dominic Muhrer, Markus Christ und Florian Meindl. Die Flachgauerin bat „The Makemakes“ zum Exklusivinterview.

Stellen wir uns einmal vor, ihr bekämt noch einmal die Chance, am Eurovision Song Contest teilzunehmen. Was würdet ihr dazu sagen?

Dominic: Ich denke, wir würden es wahrscheinlich wieder machen. Der Song Contest war im Endeffekt das Beste, was uns passieren konnte. Wir haben dort wirklich extrem coole Kontakte geknüpft und wahrscheinlich von allen Teilnehmern die meisten Brücken gebaut. Gleichzeitig haben wir uns nie so gefühlt, als ob wir vollkommen dazugehören und eher überlegt, wie wir den Song Contest-Stempel wieder los werden. Das ist dann mit dem Ergebnis quasi über Nacht passiert. Die null Punkte waren der Beweis, dass wir eigentlich kein Song Contest-Act sind.

Florian: Was wir sicher gelernt haben, ist, wie man Interviews gibt. Wir mussten da wahre Marathons überstehen. Es war eine coole Erfahrung, mitzuerleben, wie so etwas abläuft und wie man sich im Fernsehen präsentiert. Wie Dominic sagte, haben wir sehr viel mitnehmen können und das werden wir jetzt auch nutzen.

Markus: Die anderen Teilnehmer sind in ihrer freien Zeit herumgezogen und haben sich Wien angeschaut. Wir waren dagegen hauptsächlich im Pressezentrum und haben uns mit anderen Delegationen vernetzt. Von diesen internationalen Kontakten werden wir in Zukunft hoffentlich profitieren.

Ihr habt nach dem Song Contest immer gesagt, dass euch die null Punkte, die ihr bekommen habt, nichts ausmachen. Wart ihr in Wahrheit nicht doch ein bisschen enttäuscht?

Dominic: Nein, es war alles andere als enttäuschend. Wir sind ja dafür eingetreten, dass es beim Song Contest wieder mehr um die Musik gehen soll, so wie ganz am Anfang oder seinerzeit bei Udo Jürgens. Das Ergebnis hat uns einfach noch einmal bewusst gemacht, wie viele andere Faktoren eine Rolle spielen.

Eure Karriere hat also unter der Nullnummer nicht gelitten?

Dominic: Nein, ganz im Gegenteil. Durch das Ergebnis und vor allem durch das Video, das wir in der Nacht spontan gedreht haben, sind noch mehr Leute auf uns aufmerksam geworden und haben gemerkt, dass wir coole Musik machen. So gesehen hat der Song Contest sehr positiv zu unserer Karriere beigetragen.

Ihr seid oft im Ausland unterwegs. Was bedeutet euch eure Heimat, der Flachgau bzw. das angrenzende Mondseeland?

Dominic: Das ist unsere Basis und damit das Wichtigste für uns. Der Proberaum ist in Mondsee, das Studio in Obertrum, auch unsere Freunde, unsere Familien und alle Leute, die in unserem Team mitarbeiten, sind hier. Wenn im Proberaum einmal die Inspiration abhanden kommt, bin ich in einer Minute am Mondsee und kann hineinspringen oder ich gehe nach dem Proben Wakeboarden oder Klippenspringen. Das ist extrem schön und bedeutet uns sehr viel.

Markus: Es macht wirklich Spaß, in dieser Gegend arbeiten zu können. Die Landschaft, die Berge und die Seen sind sehr inspirierend. Am Land ist auch alles viel einfacher, wenn es um die Lärmbelästigung durch das Proben geht. Das macht man sich mit den Nachbarn aus und dann funktioniert es meistens.

Florian: Es betrifft ja nicht nur den Proberaum oder das Studio, wir machen ja viele Videos selbst und arbeiten auch bei diesen Produktionen mit den Leuten aus unserer Umgebung zusammen. Dieses Netzwerk haben wir uns über lange Jahre erarbeitet und wir schätzen es sehr, weil es einfach perfekt funktioniert.

Nach dem Song Contest ist es in der Öffentlichkeit ein bisschen ruhiger um euch geworden. Wie habt ihr die letzten Monate verbracht?

Dominic: Auch wenn es vielleicht so ausgesehen haben mag, war die Zeit nach dem Song Contest für uns gar nicht ruhig. Wir haben so weitergemacht wie zuvor und wieder viel Musik gemacht. Es war richtig cool, dass wir gleich mit der US-Band OneRepublic auf Osteuropatour gegangen sind. Wir hatten da unglaubliche Erlebnisse, weil viele Leute uns schon gekannt haben. Für eine Vorband ist es nicht üblich, dass gleich vom ersten Lied weg mitgesungen wird. Der Sänger von OneRepublic hat sogar jedes Mal während ihrer Shows gesagt, wir seien die coolste Vorband, die sie jemals hatten. Wir haben auch vor 70.000 Leuten beim Donauinselfest gespielt. Neben den Konzerten arbeiten wir schon wieder im Studio am nächsten Album. Wir haben also genug zu tun.

Wie verkauft sich das Debütalbum, das im Frühjahr erschienen ist? Habt ihr so etwas wie einen Song Contest-Schub gespürt?

Dominic: Ja, das Album verkauft sich ziemlich gut. In den i-Tunes-Charts waren wir auf Platz eins und haben uns lange im vorderen Bereich gehalten. Ich glaube, es gefällt den Leuten, weil man hört, dass es ein klassisches Debütalbum ist. Es ist mehr oder weniger eine Reise durch die Rockgeschichte, wo wir mit Old School-Stilen spielen. Seventies Rock à la Fleetwood Mac oder Rolling Stones taugt uns einfach. 

Könnt ihr mittlerweile von eurer Musik leben?

Dominic: Wir sind auf dem besten Weg dazu. Voriges Jahr hatten wir ja schon zwei Lieder, die im Radio gar nicht so schlecht gelaufen sind. Durch den steigenden Bekanntheitsgrad gibt es jetzt mehr Konzerte und bessere Gagen. Wir leben schon sehr lange für die Musik. Deshalb freuen wir uns schon darauf,  auch von der Musik leben zu können. Millionäre werden wir aber so schnell nicht werden.

Wie hart muss sich ein Musiker den Erfolg erarbeiten?

Dominic: Es steckt wirklich sehr viel harte Arbeit dahinter. Viele Leute glauben, du musst eh nur singen oder ein Instrument spielen, aber der Erfolg hängt auch von vielen anderen Dingen ab.

Florian: Wir sind ja nicht nur zu dritt, das alles kann nur funktionieren, weil ein Management hinter uns steht. An einem Konzert oder gar Album sind immer sehr viele Menschen beteiligt. Wir brauchen für jede Produktion Profis, egal ob live oder im Studio. Deshalb gibt es viel zu finanzieren und es ist nicht so leicht, dieses Team über Wasser zu halten.

Wie sehen eure Pläne für die nächsten Monate aus?

Florian: Wir arbeiten weiter an der Platte und sind im Herbst auf Österreich-Tournee. In Deutschland und wahrscheinlich auch in der Schweiz werden wir auch Shows spielen.    

Dominic: Es ist sogar eine Australien-Tour geplant, die, wenn alles gut geht, im Dezember oder Anfang nächsten Jahres stattfinden wird.

Gibt es eine Band, mit der ihr gern auftreten würdet oder eine Location, wo ihr unbedingt ein Livekonzert geben möchtet?

Dominic: Das ist eine gute Frage. Wir haben schon im Vorprogramm für Bon Jovi gespielt. Ich fände es lustig, wenn wir es schaffen würden, dass er für uns die Vorband macht. Mit den Rolling Stones würden wir natürlich auch wahnsinnig gerne einmal auf Tour gehen. Da würde keiner von uns nein sagen. Das Gleiche gilt für einen Auftritt im Londoner Wembley Stadion.

Ihr habt vorher die Rolling Stones erwähnt. Könnt ihr euch vorstellen, so lange wie diese Rock´n´Roll-Urgesteine Musik zu machen?

Dominic: Ja, definitiv. Das haben wir auch vor. Ich kann mir sehr gut vorstellen, auch mit 60 noch auf der Bühne zu stehen. Wenn es uns gelingt, unser ganzes Leben lang Musik machen zu können, dann sind wir glücklich.

Helmut Millinger

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