Sicher durch den Winter

Sicher durch den Winter

Wenn der erste Schnee gefallen ist, die Winterreifen ordnungsgemäß montiert sind und man bei unwirtlichem Wetter ans Autofahren denkt – wie fühlen Sie sich dann? Unsicher? Oder kommen Sie mit diesen Verhältnissen locker zurecht, weil Sie einen Allradler haben? Aber wo liegen die Grenzen?
Ein Artikel von René Herndl

Foto: Petair – fotolia.com

Klar, mit vier angetriebenen Rädern kommt man im Winter leichter vom Fleck, zumindest vorwärts und bergauf. Da ist’s dann schon egal, ob es ein SUV ist oder eine Limousine mit Allradantrieb. Wobei es da schon Unterschiede gibt, was die Technik betrifft: Die elektronischen Steuerungen, die die Motorkraft auf jene Räder verteilen, welche gerade „Grip“ haben, sind die momentan gängigste technische Lösung, wohl auch, weil sie für den weniger geübten Autofahrer die sicherste ist. Rallyefahrer dagegen bevorzugen den symmetrischen Durchtrieb, bei dem die Kraft gleichmäßig auf alle Viere übertragen wird. Dies deshalb, weil nur so die Reaktionen des Autos bzw. des Fahrwerks berechenbar bleiben, der Pilot also das Auto fährt und nicht umgekehrt. Aber wer von uns hat schon die Übung und das Können eines Rallyepiloten?

Foto: Igor Link – fotolia.com

Das Quertreiben ist kein Lercherl, sondern eine heikle Sache, die nicht nur eine schnelle Hand am Volant braucht, sondern auch eine agile Fußarbeit, die einem Stepptanz gleicht. Und außerdem ist’s im Normalverkehr sowieso viel zu gefährlich. Also lassen wir’s bleiben und lassen die Elektronik werkeln! Sicher ist sicher. Und wer keinen Allrad sein eigen nennen kann, dem helfen bei fast allen modernen Autos Antischlupfassistenten oder ähnliche Hilfselektronik samt Sperrdifferenzial, einigermaßen sicher über rutschige Straßen ans Ziel zu kommen.

Bergauf und bergab

Bremsen und bergab fahren dagegen birgt für alle Fahrzeuge und Antriebsarten ähnliche Gefahren, wobei leichtere Autos einen kleinen Vorteil haben, weil ihr geringeres Gewicht weniger leicht ins Rutschen kommt. Und sich durch Gas geben im Drift aus der Gefahrenzone zu befreien, das können Sie sich als Normalverbraucher abschminken – das endet entweder in der Leitplanke oder im Straßengraben, wenn Sie Glück haben. Dementsprechend gilt für die Bergabfahrt ganz eindeutig: Langsam und angemessen, vorsichtig und mit Gefühl, und das nicht nur, wenn das Glatteis unter einer Schneefahrbahn lauert. Auch bei Nässe kann es ziemlich schnell gehen und die Haftgrenze auch des besten Winterreifens ist perdu.Und wer wirklich seine Grenzen im Auto erfahren möchte, der sollte sich – auch durchaus zum Vergnügen – einen Fahrerlehrgang auf Eis und Schnee gönnen. Dort merkt man sehr schnell, wo die Grenzen der Physik liegen und welches Können einem fehlt. Und dieses Gefühl gibt dann doch ein bisserl mehr Sicherheit in der Beurteilung der jeweiligen Situation wie auch der Straßenverhältnisse. Ab diesem Zeitpunkt beginnt dann eine neue Phase des Fahrens auf Eis und Schnee, nämlich die, die Spaß macht. Weil man keine Angst mehr hat.

Winterfreuden

Foto: Alexander Seger

Jenseits aller Fahrkünste gibt es in der kalten Jahreszeit aber doch zusätzlich etliche Details zu beachten, die für ungetrübte Winterfreuden auf vier Gummis hilfreich sind: Die Winterreifen sollten auf alle Fälle nicht zu alt sein (nicht mehr als maximal vier Jahre) und eine ausreichende Profiltiefe aufweisen. Allwetterreifen sind, grob gesprochen, nicht wirklich allwettertauglich.    

Diverse Flüssigkeiten im Auto sollten auf ihre Winter- und Kältetauglichkeit geprüft und frostsicher gemacht werden. Die Kühlflüssigkeit wird zwar meist in der Werkstatt auf die nötige Kälte-resistenz gebracht, aber sind Sie sich dessen sicher? Und es sollte auch beachtet werden, dass der Frostschutz mit der Zeit seine Eigenschaften verändert. Ein Wintercheck schadet also nicht. Dass die Waschanlage Frostschutz braucht, ist auch klar, aber wissen Sie wirklich genau, wie viel in den Behälter geschüttet werden muss? Ein Blick in die Betriebsanleitung des Autos reicht meistens schon. Wer öfter Bergstraßen befährt, der sollte auch Schneeketten einpacken, falls es einmal heftiger schneit. Denn wenn am Straßenrand das „Kettenpflicht-Schild“ steht, dann nützt auch der Vierradantrieb nichts, nur mehr Ketten auf allen vier oder auf den angetriebenen Rädern.

Startschwierigkeiten hängen meist mit einer schwachen Batterie oder bei Dieselmotoren mit einem alten Kraftstofffilter zusammen. Die Batterie sollte zudem immer eher voll sein. „Wer oft Kurzstrecken fährt, hat im Winter eher Probleme, da die Batterie nicht ausreichend geladen wird. Ab und zu auch längere Strecken fahren und die elektrischen Verbraucher an Bord nicht zur gleichen Zeit einsetzen“ rät der ÖAMTC. Und noch ganz wichtige Hinweise für jene, deren Auto im Freien der Witterung ausgesetzt ist: Nach einer kalten und schneereichen Standzeit ist unbedingt das ganze Auto, auch das Dach, von Schnee und Eis zu befreien. Und was Sie immer im Auto haben sollten: Schaufel, Handbesen und Eiskratzer. Nicht zu vergessen sind Handschuhe und eine Reserveration an Scheibenflüssigkeit.

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