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Sonntagsöffnung? Marktmacht oder Versorgungssicherheit?

Die Diskussion um Einkaufsmöglichkeiten an Sonn- und Feiertagen ist zwar schon ziemlich alt, ist aber nun durch die Begehrlichkeiten einiger der bekannten Supermarktketten neu entflammt. Vom Sterben der kleinen Nahversorger und dem der Ortskerne jedoch sagt niemand etwas.

Es ist nicht mehr zu übersehen: Die großen Lebensmittelhandelskonzerne dominieren oft die Peripherie sogar kleinerer Ortschaften mit klobigen und wenig der Landschaft angepassten Bauten im Container- und Markthallen-Stil, aufgemotzt mit grellen und großen Neonbeschriftungen. Hier bekommt man alles, so die indirekte Botschaft, und noch mehr. Nach einer deutschen Studie des Bundeskartellamts, die über mehrere Jahre angestellt wurde, verdrängen diese Unternehmen jedoch zunehmend ihre kleineren Mitbewerber – den Nahversorger, also den klassischen Gemischtwarenhändler, der stirbt aus! Nur dort, wo sich die Großen wenig Umsatz und weniger Gewinne ausrechnen, dort gibt´s ihn noch, den Greißler, persönliche Bedienung und Kommunikation eingeschlossen.

Mittelständler ohne Chance

Die Studie besagt auch, dass die Konzerne zwar überwiegend im Inland einkaufen, sie hätten jedoch „bereits jetzt einen gravierenden Vorsprung gegenüber ihren mittelständischen Konkurrenten und genießen strukturelle Vorteile, die sie in den Verhandlungen mit den Herstellern nutzen können“ – sprich, der Erzeuger wird bei Preisverhandlungen mit Kostendruck konfrontiert. „Dieser Verhandlungsmacht könnten selbst Hersteller bekannter Marken ausgesetzt sein, soweit es … de facto … an Ausweichalternativen für den Absatz ihrer Produkte“ fehlt. Kleinere Abnehmer sind so schon beim Einkauf benachteiligt – womit auch die Handelsspannen entweder geringer werden oder der Endverbraucher mehr zu berappen hat.

Fatale Entwicklung

Dass diese Entwicklung jetzt zusätzlich die Zeitkomponente und das Arbeitsrecht betrifft, ist eine fatale Entwicklung, liegt oder lag doch gerade in Tourismuszentren in der saisonal bedingten Feiertagsöffnung für kleinere Familienbetriebe noch eine Lebens-, wenn nicht sogar Überlebenschance, zumindest aber eine Daseinsberechtigung, die ihnen die Konzerne nun streitig machen wollen. Da kann die zitierte „Versorgungssicherheit“ von den Konzernen nicht ins Feld geführt werden. Es scheint eher um das Ausschalten lästiger Konkurrenten zu gehen. Dass es hier um mehr als Arbeitsplätze oder gesetzliche Arbeitszeiten geht, muss jedem klar werden, der entvölkerte Ortskerne und leere Geschäfte ebendort gesehen hat. Der Markt ist zwar ein Kriterium, jedoch ein oft unmenschliches. Das sollte bei dieser Diskussion auch in den Amtsstuben bedacht werden.

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