Südtirol Almen, Palmen und Wein

Südtirol Almen, Palmen und Wein

Kaum eine Region ist den Österreichern näher als Südtirol, war es doch lange ein Teil unserer Heimat – und ist es heute noch, zumindest kulturell. Tiroler Traditionen vereinen sich an Etsch und Eisack mit italienischer Lebenslust, die Landschaft isteinmalig in ihrer Faszination zwischen schroffen Berggipfeln und südlichem Klima, und das touristische Angebot erstreckt sich von der hochalpinen Einsamkeit bis zum kulinarischen Gipfelsturm.
 Ein Artikel von René Herndl

Wer irgendwann einmal den Brenner überquert hat, der hat auch gemerkt, dass sich das Klima wie selbstverständlich ändert, hin zu südlicher Milde, die schon seit Jahrhunderten eine intensive Kultivierung und sehr eigenwillige Kultur hervorgebracht hat, die einerseits zu landwirtschaftlichen Besonderheiten und andererseits zu einer spezifischen Identität geführt haben. Die sprachlichen Grenzen sind nicht mehr so exakt, die Tiroler Mentalität nicht mehr so traditionalistisch, wie sie einst waren, nein, hier hat der Kompromiss eine neue Form geschaffen, die Südtirol erst recht attraktiv macht.

Städte und Kultur

Gleich jenseits der Grenze, in einem Seitental bei Sterzing, oberhalb von Mareit, existiert nahezu unbeachtet vom Fremdenverkehrsstrom das Schloss Wolfsthurn, ein barockes Juwel, das einzige seiner Art im Tirolerischen. Dieses Prachtgebäude mit erhaltenen Prunkräumen samt Originalinventar vermittelt eine Ahnung vom adeligen Leben des 18. und 19. Jahrhunderts, das Südtirol besonders geprägt hat. Dies ist in den meisten Städten Südtirols mit ihrer historischen Bausubstanz, die von geradezu unzähligen Kirchen überragt wird, zu erkennen. Und wenn sich der Besucher zwischen alten Ansitzen adeliger Herrschaften, prachtvollen Burgen und noch prachtvolleren Kirchen bewegt, dann erahnt man die bewegte Geschichte dieses Landes im Spannungsfeld zwischen weltlichem und kirchlichem Absolutismus und einer bäuerlichen Kultur in den Tälern und auf den Almen, die auch durch ihre so unterschiedliche Volksstruktur geprägt wurde. Ob Ladiner oder Rätoromanen, deutsche Südtiroler oder eingewanderte Italiener, alle haben Spuren hinterlassen, die es zu entdecken lohnt.

Foto: Südtirol Marketing

Foto: Südtirol Marketing

Kirchen, Burgen und Schlösser

Im alten Brixen macht die verwinkelte Architektur der Altstadt einen Spaziergang unvergesslich. Gotische Bauwerke, Gemälde aus der Renaissance und barocke Kirchen gehören zu den kulturellen Highlights der Bischofsstadt in Südtirol. Zudem gibt es in dieser Stadt auch einige Gaststätten, deren Geschichte mit der Qualität der Speisen Schritt hält, etwa der Finsterwirt in einer der engen Gassen in der Nähe des Doms. Von hier ist es auch nicht weit in das weltberühmte Grödener Tal und in die einmaligen Dolomiten.

Das Zentrum Südtirols ist Bozen. Die Vermischung zwischen südtiroler Eigenart und italienischer Präsenz ist hier wahrscheinlich am stärksten. Herausragend als Wahrzeichen ist der Turm und die filigrane Kuppel des Bozner Domes aus dem beginnenden 16. Jahrhundert, wobei auch andere Kirchen kulturgeschichtliche Bedeutung haben, z. B. die Dominikanerkirche mit den Fresken aus der Giotto-Schule und dem beeindruckenden Kreuzgang und der barocke Prachtbau des Benediktinerkloster Muri-Gries. Von schlichter Schönheit dagegen ist die alte Pfarrkirche von Gries, die den Flügelaltar des großen Meisters Michael Pacher birgt. Und in den gotischen Lauben der Altstadt, an deren Ende sich der farbenprächtige Obstmarkt befindet, fühlt man sich ins Mittelalter versetzt. Auch ein Streifzug durch andere Gassen Bozens ist in vielerlei Hinsicht ein Erlebnis: Ein typisches Bild liefert da die Bindergasse, auch wegen der originellen schmiedeeisernen Schilder der zahlreichen Wirtshäuser und dem 1512 im spätgotischen Stil erbauten „landesfürstlichen Amtshaus“ – dem ehemalige Sitz der Verwaltungsämter von Kaiser Maximilian I.

Foto: Südtirol Marketing

Da in Südtirol eine außergewöhnliche Dichte an Burgen und Schlössern herrscht – es sind rund 400 an der Zahl, von gut erhaltenen Ansitzen bis zu Ruinen – ist auch Bozen von solchen förmlich umzingelt, wobei diese befestigten Ansitze aber nicht nur eine schmucke Beigabe sind, sondern, wie es ein Prospekt sagt, die Seele der Stadt. Und das mediterrane Flair macht alles noch reizvoller. Etschaufwärts kommt man dorthin, wo sich der Vinschgau und das Passeiertal zum breiten Etschtal vereinen, nach Meran. Von der Kälte des Nordens durch die Dreitausender der Ötztaler Alpen geschützt, öffnet sich das Tal in Richtung Süden – ein einziger Wein- und Obstgarten. Das ausgesprochen milde Klima verleiht der Stadt und der  Landschaft ein stark südländisches Flair – und das mitten in den Alpen. Und genau deshalb war auch schon zu Zeiten der Habsburger Meran als Kurort so bekannt. Die ehemalige Hauptstadt der Grafschaft Tirol bietet etliche Sehenswürdigkeiten, wobei der Turm der  Pfarrkirche St. Nikolaus mit der Barbarakapelle die Postkartenansicht der alten Stadt dominiert. Aber auch die Ottoburg (hier wohnte kurzzeitig Franz Kafka), der Pulverturm, die Stadtpfarrkirche St. Vigil und die Stadttore sind kulturhistorisch bedeutend, für die Kurgäste ebenso das Kurhaus, die Thermen und die Promenaden. Das nahe gelegene Schloss Tirol, die Stammburg der Grafen von Tirol ist heute das Südtiroler Landesmuseum.

Erlebnis und Genuss

Wer Südtirol abseits der kulturellen und geschichtlichen Pfade erleben, wer sich sportlichen Aktivitäten hingeben möchte oder die großartige Kulinarik als Mischung zwischen der herzhaften Deftigkeit Tirols und der schmackhaften Leichtigkeit Italiens verkosten, wer durch wilde Täler und über hohe Berge wandern oder klettern will, der findet in Südtirol ein Paradies. Die eigenwillig-stolzen und oft typischen Menschen mancher Täler geben heute nicht nur zu Festtagen oder Schützentreffen noch Blicke auf alte Traditionen frei und die alten Weingärten und bekannte Weingüter in Terlan, Tramin oder Kaltern liefern feinste Tropfen. Südtirol ist immer eine Reise wert, egal zu welcher Jahreszeit!

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