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Wohnen mit Stil

Exklusiv zu wohnen, muss nicht unbedingt bedeuten, in der besten Lage eine feine Villa oder ein großzügiges Penthouse mit Leben zu füllen. Auch eine etwas bescheidenere Behausung kann, mit schönen Accessoires, Designerstücken, auserwählten Kunstwerken und einigen alten Möbelstücken, also Antiquitäten, zur individuellen Wohn-Oase mit Stil werden.

Feine Möbel verleihen einer Einrichtung ein ganz besonders stimmungsvolles und edles Ambiente. Oftmals genügt schon das eine oder andere spezielle Einzelstück, um den Charakter einer Wohnung zu verändern, die Wertigkeit zu heben und eine Atmosphäre der Exklusivität zu vermitteln. Dass diese Einzelstücke oft Antiquitäten sind, liegt wohl auch daran, dass sich der Betrachter vielleicht überlegt, welche Geschichte ein solches Möbelstück wohl erzählen könnte. Dazu kommt, dass Antiquitäten auch als Kapitalanlage über zeitgeistige Wert-Schwankungen erhaben sind – sofern sie wirklich echt und wertvoll sind. Aber nicht nur Stücke aus dem Rokoko, der Gründerzeit, dem Biedermeier oder gar aus noch älteren Epochen können zu erhöhter Wertanmutung beitragen, auch ein schöner alter Bauernkasten, eine gut platzierte und gut erhaltene Truhe der Urgroßmutter oder auch ein Bild in klassischem Stil vermögen einer Wohnung einen individuellen Stil und einen besonderen Charme zu verleihen. Und eben diese Einrichtungsgegenstände, auch und gerade wenn sie solitär mit ihrer Umgebung kontrastieren, dürfen auch extrem modern sein, wenn sie etwa inmitten einer mehrheitlich alten Möblierung stehen oder umgekehrt, denn genau dann erschließt sich erst die Qualität beider Einrichtungselemente. Also: Die Kombination macht’s aus!

Qualität und Wert

Egal, aus welcher Zeit ein „antikes“ Stück stammt, die Qualität muss stimmen! Nicht nur ein bestimmtes Alter macht eine echte Antiquität aus, auch die Entstehungszeit muss eindeutig sein und die handwerkliche Qualität spielt ebenso wie die Singularität eine wichtige Rolle. Was übrigens auch für moderne Designermöbelstücke gilt. Wenn es keine Erbstücke sind, findet man antike Möbel zuerst einmal im Antiquitätenhandel oder auch irgendwo auf einem Dachboden, wobei Gebrauchsspuren und eine gewisse Patina sehr reizvoll wirken können. Insbesondere im Kontrast zu ganz modernen Stücken oder Kunstwerken. Bei letzteren muss es keinesfalls der berühmte Künstler sein, der die Aufmerksamkeit auf sich zieht, es darf auch mit ganz junger, experimenteller Kunst ein Blickfang installiert werden, wenn es in den Rahmen passt.

   

Wohnen mit Stil

Manfred Katzlinger, einer der bekannten Innenarchitekten Salzburgs, misst der Individualität einen hohen Stellenwert bei, weil „ … sich im 21. Jahrhundert die Einrichtungen unserer Häuser und Wohnungen nicht mehr einfach in eine Stilbeschreibung fassen lassen …“, sondern „ … von oftmaligem Stilwechsel gekennzeichnet“ sind. Zu diesem Stil gehören aber seiner Ansicht nach „auch ein oder mehrere Einrichtungsgegenstände, die an vergangene Zeiten erinnern, Stücke, die nie ihre Schönheit verloren haben und keinen Trends unterliegen. Hundert Jahre alte Antiquitäten strahlen selbst neben modernsten Designerstücken noch immer ihren Charme und ihre Wertigkeit aus, viele steigern diese sogar.“ Diese Mixtur liegt nicht nur im Trend, sie macht auch einen höherwertigen Eindruck, als etwa nachempfundene „Stilmöbel“ oder gar Vorgefertigtes. Auch Kunst, die geradezu unabdingbarer Teil geschmackvoller Einrichtung ist, kann nach diesem Prinzip dekorativ angeordnet werden: Eine antike Figur kommt auf einem modernen Sockel, egal ob aus Plexiglas oder vom Schreiner angefertigt, besser zur Geltung als auf einem ebenso alten Tischchen. Doch sollte gerade bei stilistischen Epochenkombinationen beachtet werden, dass Boden und Wände weitgehend neutral bleiben. „Im Idealfall verstärkt ein intelligenter Mix aus modern und antik die Wirkung bei den Stilrichtungen“, so Innenarchitekt Manfred Katzlinger.

Qual der Wahl

Grundsätzlich scheint heute also, wie es auch in der Fachliteratur nachzulesen ist, fast alles erlaubt zu sein, wenn die Mischung reizvoll und kontrastreich ist. Die richtige Platzierung macht die Einzigartigkeit der Einrichtung aus, wobei Harmonie und Proportionen natürlich immer stimmig und auch der Bestimmung des Raumes angepasst sein sollen. Kunst in jeder Form kann kulturelle Offenheit belegen, auch einen gewissen Zeitgeist dokumentieren, sollte jedoch keinesfalls als bloße Dekoration dienen, und schon gar nicht als Dokumentation der finanziellen Möglichkeiten. Eleganter Stil schließt auch Wärme mit ein, bildet eine Atmosphäre, die die Zeit vergessen lässt und niemals nur repräsentativ ist, dazu gehören eben auch der geschmackvolle Umgang mit Farben an den Wänden oder technischen Einrichtungen, die, falsch oder zu dominant platziert, ein Gesamtbild stören können. Man könnte auch sagen, dass eine gelassene Selbstverständlichkeit gerade im Umgang mit technischen Ausstattungsdetails vonnöten ist, will man keine unpersönliche Anmutung erzeugen.

Exklusives Wohnen heißt auch, das Zusammenspiel von Architektur und Einrichtung zu berücksichtigen, Phantasie und Zweckmäßigkeit auf einen Nenner zu bringen und nicht zuletzt, einen ganz persönlichen Umgang mit der Verschiedenartigkeit aller Gegenstände und Gegebenheiten sichtbar zu machen.

  René Herndl

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