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Wohnen wird immer mehr zum Luxus

Im Flachgau sind die Preise für Eigentumswohnungen und die Mieten in den letzten Jahren steil nach oben geklettert. Auch wenn sich die Preisspirale im Moment etwas langsamer dreht, können sich vor allem kinderreiche Familien und Alleinerzieherinnen das Wohnen kaum mehr leisten.

Eine Dreizimmer-Wohnung in Bergheim um 345.000 Euro, eine 80 m² große Gartenwohnung in Elsbethen um 419.000 Euro oder eine Zwei-Zimmer-Wohnung in Hallwang mit 47 m² Wohnfläche um stolze 192.500 Euro: Wer sich in der Nähe der Stadt Salzburg eine neue Eigentumswohnung kaufen will, muss tief in die Tasche greifen.

Nicht ganz billig sind in den Umlandgemeinden auch die Mieten für neuwertige, gut ausgestattete Wohnungen. Ein Blick auf die Immobilienseiten der Tageszeitungen zeigt, dass die zukünftigen Mieter einer Dreizimmer-Wohnung in Anthering monatlich 825 Euro plus Betriebskosten hinblättern müssen. Eine 92 m² große Wohnung in Wals schlägt gar mit knapp 1.100 Euro zu Buche.

Wohnungssuchende, die nur über ein schmales Einkommen verfügen, müssen vor allem zwei Dinge haben: viel Zeit und viel Geduld. Das bestätigt auch Sophia (25). Die Alleinerzieherin hat im Flachgau und im angrenzenden Oberösterreich ein halbes Jahr lang eine leistbare Drei-Zimmer-Wohnung für sich und ihre einjährige Tochter gesucht. „Selbst für kleine Zwei-Zimmer-Wohnungen ohne Balkon und Parkplatz sind die Preise extrem hoch. Bei den Wohnungsbesichtigungen wurde ich sehr oft gefragt, ob ich mir das überhaupt leisten kann. Zwei Vermieter haben sogar gesagt, dass sie keine Kinder haben  wollen. Damit hatte ich am meisten zu kämpfen“, erzählt Sophia.

Sie erkundigte sich auch bei Gemeinden und gemeinnützigen Wohnbauträgern nach einer günstigen Wohnung. Dort habe man aber nur bedauernd erklärt, es gebe wesentlich dringendere Fälle als sie. „Man hört immer, dass Alleinerzieherinnen so viel geholfen wird. Davon habe ich nichts bemerkt“, sagt die junge Mutter enttäuscht.

Mit Hilfe eines Freundes fand Sophia zu guter Letzt doch noch eine passende Wohnung. „Sie ist nicht die modernste, aber wenigstens haben ich und meine kleine Tochter genug Platz.“ Die Monatsmiete von 650 Euro plus Strom sei aber „die absolute Schmerzgrenze“, meint die 25-Jährige.

Das hohe Preisniveau bei Miet- und Eigentumswohnungen lässt sich laut Leo Hohla von der Immobilienkanzlei „Stiller & Hohla“ leicht erklären: „Die Nachfrage steigt im Flachgau nach wie vor an und das Angebot ist noch zu gering.“ Im Neubaubereich habe es zuletzt jährliche Preissteigerungen von drei bis vier Prozent gegeben, günstige gebrauchte Wohnungen seien ebenfalls nur schwer zu bekommen. Eine Trendwende sei derzeit nicht in Sicht. „Die Preise werden weiter nach oben gehen, wenn auch vielleicht in etwas abgeschwächter Form“, meint Hohla.

Besonders groß sei die Nachfrage in den sogenannten Speckgürtelgemeinden rund um die Stadt Salzburg und entlang der Lokalbahn. Im Vergleich zur Landeshauptstadt seien Grundstücke dort aber noch immer leistbar, einige Flachgauer Gemeinden hätten allerdings nur ein sehr spärliches Wohnungsangebot. Als Beispiel nennt Immobilienexperte Hohla Mattsee. „Dort sind Wohnungen aufgrund der hohen Lebensqualität sehr begehrt.“

Das bestätigt auch Bürgermeister Rene Kuel (ÖVP). „Wir sind von zwei Seen umgeben und schon allein wegen der Lage gegenüber anderen Orten bevorzugt.“ Im Vergleich zu den Nachbargemeinden seien die Baulandpreise in den letzten Jahren überdurchschnittlich stark gestiegen. „Wenn man in Normal lagen 400 bis 500 Euro für den Quadratmeter zahlen muss, sind das fast schon Stadtrandpreise. Ein Normalsterblicher kann sich das nicht mehr leisten.“ Junge Mattseer Familien siedelten sich deshalb zunehmend in den nur wenige Kilometer entfernten oberösterreichischen Orten Perwang, Lochen und Palting an. Dort sei Bauland schon um 100 Euro pro Quadratmeter zu haben. „Für die Zukunft einer Gemeinde ist es natürlich alles andere als optimal, wenn die Jungen nach und nach wegziehen. Dieses Problem betrifft nicht nur Mattsee, sondern viele Flachgauer Gemeinden“, erklärt Bürgermeister Kuel.

Die Gemeinde versuche zwar gegenzusteuern, habe aber nur beschränkte Mittel zur Verfügung. In letzter Zeit sei es dennoch gelungen, einige Wohnbauprojekte abzuschließen bzw. neu zu starten. „Der Druck auf dem Wohnungsmarkt ist dadurch etwas kleiner geworden. Wer ein erschwingliches Haus, eine Doppelhaushälfte oder ein Reihenhaus sucht, geht aber nach wie vor nach Oberösterreich“, sagt Kuel.

Laut einer Bedarfserhebung des Landes werden im Flachgau rund 1.900 zusätzliche Wohnungen benötigt. Der zuständige Landesrat Hans Mayr (Team Stronach) betont auf Anfrage der FLACHGAUERIN, die Grundstücks- und Immobilienpreise würden auch dank einiger Baulandsicherungsmodelle in den Gemeinden nicht mehr so rasant steigen wie in den letzten Jahren. Um sich den Traum von den eigenen vier Wänden erfüllen zu können, müsse man allerdings beträchtliche Eigenmittel auf der hohen Kante haben, so Mayr: „Je nach Größe der Wohnung sollten es zwischen 30.000 und 50.000 Euro sein.“

Die Reform der Wohnbauförderung wirke sich bereits positiv aus und habe zu einer Ankurbelung der Bautätigkeit im Flachgau geführt. „Wir haben schon jetzt die Wohneinheiten erreicht, die wir uns für das ganze heurige Jahr vorgenommen haben“, sagt Mayr. Die Landesregierung werde bis zum kommenden Jahr einen Maßnahmenkatalog zur Mobilisierung von Bauland ausarbeiten. „Einige Gemeinden haben das Problem, dass ausgewiesenes Bauland nicht genutzt werden kann, weil die Eigentümer ihre Grundstücke weder verkaufen noch bebauen. Das führt zu einer Überhitzung der Preise“, erklärt der Landesrat.

Einen Engpass an Grundstücken gebe es laut Christian Struber, Geschäftsführer des gemeinnützigen Wonbauträgers „Salzburg Wohnbau“, aber nicht. „Im Flachgau stehen nach wie vor ausreichend Flächen zur Verfügung, auf denen geförderte Wohnungen errichtet werden können.“ Der Anstieg der Baulandpreise halte sich anders als in der Stadt Salzburg in Grenzen. Logische Folge sei eine Zunahme der Bautätigkeit im Flachgau. Die gemeinnützigen Wonbauträger beginnen heuer mit dem Bau von rund 480 Miet-, Mietkauf- und Eigentumswohnungen. Dazu kommen 355 Wohnungen, die im Lauf des Jahres an ihre neuen Bewohner übergeben werden. Im Vorjahr gab es nur 219 Wohnungsübergaben.

Allein die „Salzburg Wohnbau“ baut 2015 und 2016 im Flachgau rund 150 neue Wohnungen. Für Eigentumswohnungen muss man mit Quadratmeterpreisen zwischen 2.600 und 3.000 Euro rechnen, in unmittelbarer Nähe der Stadt Salzburg können es auch schon einmal 3.500 Euro sein. „Das sind All-Inclusive-Preise, bei denen zum Beispiel der Tiefgaragenparkplatz schon mit dabei ist“, erklärt Geschäftsführer Christian Struber.

Besonders rege ist die Bautätigkeit in Oberndorf. Im Stadtgebiet und im Ortsteil Ziegelhaiden werden derzeit rund 160 Wohnungen errichtet, weitere 80 Wohneinheiten sind in der Warteschleife. „In den letzten zehn Jahren sind nur etwa 170 Wohneinheiten gebaut worden. Jetzt ist mehr los, weil relativ viele Grundstücke zur Verfügung gestellt werden“, sagt Bürgermeister Peter Schröder (SPÖ).

Die Liste der Wohnungssuchenden umfasse in der Regel mehr als 350 Namen. „Da sind einige Karteileichen dabei, die auch in anderen Gemeinden suchen oder schon etwas gefunden haben“, schränkt der Bürgermeister ein. Auch wenn man mit den neuen Wohnungen in erster Linie den eigenen Bedarf decken wolle, sei ein Zuzug in beschränktem Ausmaß notwendig, betont Schröder: „Wenn die Bevölkerungszahl zurückgeht, sind sinkende Steuereinnahmen und andere negative Aspekte die Folge.“

Helmut Millinger

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